Bärbel Bas hat in ihrem ersten Interview nach ihrem Rücktritt über persönliche Belastungen und politische Konflikte gesprochen. Die ehemalige Bundesarbeitsministerin und SPD-Vorsitzende sagte, der Tod ihrer 53-jährigen Stieftochter Ende September habe ihr viel Kraft genommen.
Bas erklärte in der ARD-Sendung „Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Bärbel Bas“, dass sie ihre Stieftochter im Hospiz begleitet habe. Beide hätten über viele Jahre eine sehr enge Beziehung gehabt. „Die Begleitung meiner Stieftochter im Hospiz hat ziemlich viel Kraft abgesaugt“, sagte Bas. Sie habe den Kopf nicht frei für dienstliche und politische Aufgaben gehabt und gewusst, dass sie länger Zeit brauche.
Ihr Rücktritt Mitte Oktober sei für viele überraschend gekommen. Für sie selbst sei die Entscheidung dagegen nicht völlig unerwartet gewesen. Bereits im Laufe des Septembers habe sie gemerkt, dass ihre Kräfte nachließen. „Es ist schon manchmal schwer, morgens überhaupt aufzustehen, wenn man sich fragt: Wofür?“, sagte Bas. In ihren damaligen Ämtern habe ihr niemand die nötige Zeit gegeben, um wieder zu Kräften zu kommen.
Neben den persönlichen Gründen sprach Bas auch über politische Auseinandersetzungen. Sie kritisierte Angriffe aus der Union, wonach sie ihre Arbeit nicht erledige. Besonders wandte sie sich gegen den CDU-Abgeordneten Christian von Stetten, der öffentlich ihre Ablösung gefordert hatte. Bas sprach von einer „Kampagne“ mit dem Ziel, den Eindruck zu erwecken, die SPD blockiere.
Nach ihrer Darstellung war in der Koalition vereinbart worden, den Entwurf für die Rentenreform nicht vor den Landtagswahlen Ende September vorzulegen. Das Paket habe im Oktober kommen sollen. Trotzdem sei täglich behauptet worden, sie hätte den Entwurf bereits im Sommer vorlegen müssen.
Bundeskanzler Friedrich Merz habe sie vor dem Tod ihrer Stieftochter über ihre private Situation informiert. Er habe ihr signalisiert, sie solle sich die benötigte Zeit nehmen. Auch über die Angriffe aus der Union habe sie sich bei ihm beschwert. Merz habe versichert, sich darum zu kümmern. Eine persönliche Attacke des Kanzlers habe sie nicht empfunden. Irritiert habe sie jedoch, was nach ihrem Rücktritt über ihre angeblich fehlende Präsenz in Berlin berichtet worden sei.
Über ihren Rücktritt habe Bas mit Merz nicht gesprochen. Der Kanzler sei von Lars Klingbeil informiert worden. Auch aus der eigenen Partei habe sie sich mehr Unterstützung gewünscht. Kritik habe es unter anderem an ihrem Vorschlag gegeben, die sogenannte Rente mit 63 abzuschaffen.
Bas hält weiterhin an dem von ihr mitinitiierten Reformpapier der Rentenkommission fest. Sie bezeichnete es als Kompromiss und forderte Härtefallregelungen. Zugleich appellierte sie an die Koalition, besser miteinander umzugehen und mehr Vertrauen zu entwickeln.
Auf die Kritik an der Union in ihrer Rücktrittserklärung hätte Bas nach eigenen Angaben verzichtet, wenn sie das Ausmaß des anschließenden Koalitionsstreits vorhergesehen hätte. Sie habe erreichen wollen, dass die Koalition zusammenhält und ihre Arbeit fortsetzt.

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