Juso-Chef Philipp Türmer lehnt eine erneute Kandidatur von Finanzminister Lars Klingbeil für den SPD-Vorsitz ab. Falls Klingbeil Finanzminister und Vizekanzler bleiben wolle, solle er nicht erneut für das Parteiamt antreten, sagte Türmer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Türmer kritisierte Klingbeils Arbeit für die SPD. In den vergangenen knapp zehn Jahren, in denen Klingbeil als Generalsekretär und Vorsitzender Verantwortung für die Partei getragen habe, sei keine klare Strategie erkennbar gewesen, wie es mit der SPD wieder aufwärtsgehen solle.
Die Doppelrolle als Minister und Parteivorsitzender mache eine solche Strategie aus Sicht des Juso-Chefs zudem kaum möglich. „Aus meiner Sicht spricht alles dafür, hier eine Veränderung zu schaffen“, sagte Türmer.
Als möglichen Nachfolger brachte er den früheren Arbeitsminister Hubertus Heil ins Gespräch. Heil stehe für Arbeit und Soziales. Es spreche daher viel dafür, die SPD bei diesen Themen deutlicher zu profilieren, erklärte Türmer.
Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hält der Juso-Chef für eine geeignete Kandidatin. Sie habe einen hervorragenden Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern geführt und stehe glaubwürdig für soziale Gerechtigkeit und Wachstum.
Die SPD will ihre Führungsspitze nach dem Rücktritt von Parteichefin und Arbeitsministerin Bärbel Bas vollständig neu wählen. Klingbeil hatte vor knapp zwei Wochen angekündigt, dass auf einem Parteitag die gesamte Führungsriege der Partei zur Wahl stehen solle.
Die Neuwahl des Parteivorstands ist für den ordentlichen Bundesparteitag am 16. und 17. Januar in Bremen vorgesehen.
Türmer forderte neben personellen Veränderungen auch eine inhaltliche Neuordnung. Die SPD habe Wähler in verschiedene Richtungen verloren, weil sie zu einer Partei des Status quo geworden sei. Die Partei müsse wieder glaubwürdig für mehr Gerechtigkeit stehen.

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