In Frankfurt ist die Jüdische Akademie des Zentralrats der Juden in Deutschland eröffnet worden. Die bundesweit ausgerichtete Bildungseinrichtung ist die erste ihrer Art, die der Zentralrat seit der Shoah eröffnet.
Bei der Eröffnung an der Senckenberg-Anlage waren unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Zentralratspräsident Josef Schuster, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef dabei. Der Frankfurter Gemeinderabbiner Avichai Appel brachte eine Mesusa am Türrahmen des Gebäudes an.
Die Akademie verbindet eine instandgesetzte ältere Villa mit einem modernen Neubau. Rund 40 Millionen Euro kostete das Projekt. Nach Angaben der Co-Direktorin Sabena Donath soll das Ensemble für die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart stehen.
Inhaltlich will die Akademie an religionsphilosophische und historische Themen anknüpfen und zugleich jüdische Gegenwart sichtbar machen. Sie soll ein Ort der Debatte und der Begegnung sein und Menschen unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit offenstehen.
Bundespräsident Steinmeier bezeichnete die Einrichtung als Haus für Jüdinnen und Juden sowie für Nichtjuden, die verstehen wollten. Dort solle gelernt, gestritten, nachgedacht und zugehört werden. Die Akademie sei damit auch eine Bereicherung für das geistige Leben in Frankfurt und in Deutschland.
Zentralratspräsident Josef Schuster verwies bei der Eröffnung auf die Bedrohung jüdischen Lebens in Deutschland. Die Akademie könne dazu beitragen, Hass mit Offenheit und Aufklärung entgegenzutreten. Jüdisches Leben solle dabei nicht nur im Zusammenhang mit Judenfeindlichkeit und Antisemitismus betrachtet werden. Auch jüdische Tradition und Gegenwart sollten stärker zur Sprache kommen.
Oberbürgermeister Mike Josef betonte die Bedeutung des jüdischen Bürgertums für die Entwicklung Frankfurts. Die Akademie könne diese Tradition fortsetzen, Menschen zusammenbringen und das Zusammenleben stärken. Geplant sei ein Dialog sowohl zwischen Jüdinnen und Juden als auch zwischen jüdischen und nichtjüdischen Menschen.
Steinmeier nutzte seine Rede außerdem für einen Appell an die Politik, den Kampf gegen Antisemitismus zu verstärken. Judenhass müsse ohne Vorbehalt zurückgewiesen werden. Antisemitismus dürfe nirgendwo in Deutschland Einfluss auf die Regierungsarbeit bekommen, sagte der Bundespräsident mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen in Berlin.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein kritisierte in diesem Zusammenhang, in Berlin werde eine Partei wegen ihres Antisemitismus gewählt. Mit solchen politischen Kräften dürfe man nicht koalieren, erklärte der CDU-Politiker.

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