Die US-Regierung drängt einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge darauf, dass Europa künftig wieder russisches Erdgas über Pipelines durch die Ukraine bezieht. Der Vorschlag soll Teil von Gesprächen über einen möglichen Stopp der Angriffe auf die Energieinfrastruktur noch vor dem Winter sein.
Nach Angaben der Zeitung beruft sich der Bericht auf Regierungsvertreter aus den USA, Europa und der Ukraine. Demnach wurde die Idee im September von den US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff bei Reisen nach Moskau und Kiew angesprochen.
Vorgesehen sein soll der Verkauf des russischen Gases über einen US-Vermittler. Teilnehmer der Gespräche sehen darin laut dem Bericht zugleich eine lukrative Möglichkeit für amerikanische Investoren.
Der Plan wurde demnach zunächst auf Eis gelegt. Zuvor hatte die Ukraine unter dem Druck von US-Präsident Donald Trump ihre Angriffe auf russische Raffinerien einseitig für zwei Wochen eingestellt. Russland setzte seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur jedoch fort. Daraufhin nahm die Ukraine ihre Luftangriffe wieder auf und attackierte in den vergangenen Tagen mehrere große russische Raffinerien.
Das Weiße Haus soll darüber verärgert sein. Die US-Regierung kauft dem Bericht zufolge seit Kurzem russischen Diesel.
Die US-Verhandlungsführer gehen laut „Wall Street Journal“ davon aus, dass eine Rückkehr Russlands auf den europäischen Gasmarkt den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem Energiewaffenstillstand bewegen könnte. Zugleich könnte die Ukraine Einnahmen aus Transitgebühren erhalten. Dafür würde das aus der Sowjetzeit stammende Pipelinenetz genutzt, das Gas aus Sibirien über die Ukraine nach Europa transportiert.
Vertreter des Weißen Hauses schlugen dem Bericht zufolge vor, dass Russland die Einnahmen aus den Gasverkäufen auf ein Treuhandkonto in einem Drittland einzahlt. So solle verhindert werden, dass der Kreml das Geld zur Finanzierung des Krieges verwendet. Skeptischen europäischen Regierungschefs sei der Vorschlag außerdem als Möglichkeit dargestellt worden, die Energiepreise vor dem Winter zu senken.
Die Überlegungen stehen im Gegensatz zu Trumps früherer Haltung. In seiner ersten Amtszeit kritisierte er die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel wiederholt wegen des Baus der Nord-Stream-2-Pipeline. Ende 2019 verhängte seine Regierung Sanktionen gegen das Projekt.
Die Europäische Union hat ihre russischen Gasimporte nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 stark eingeschränkt. Flüssiggas aus Russland soll ab dem Jahreswechsel verboten sein. Spätestens zum 1. November 2027 darf kein Gas mehr aus Russland in die EU eingeführt werden. Die Lieferungen durch die Ukraine wurden bereits im Januar 2025 beendet.
Laut dem Bericht könnte das Pipeline-Netz jedoch schnell wieder in Betrieb genommen werden. Die Trump-Regierung setze offenbar darauf, dass Europa seine harte Linie gegenüber Russland abschwächt.
EU-Energiekommissar Dan Jorgensen hatte noch im Oktober erklärt, eine Rückkehr zu russischen Gasimporten wäre ein großer Fehler. Er bezeichnete die Strategie der EU, die Energieversorgung mit fossilen Brennstoffen aus Russland zu beenden, als unumkehrbar.

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