Warum Männer in psychischen Krisen oft zu lange schweigen

Männer suchen in psychischen Krisensituationen häufig erst spät professionelle Hilfe. Darauf weist ein Beitrag zur Aktion „Movember“ hin, die im November auf Männergesundheit und damit verbundene Tabuthemen aufmerksam macht.

Psychologin Katharina Piekorz aus Oberderdingen im Landkreis Karlsruhe berichtet, dass viele Männer bereits stark belastet seien und trotzdem fragten: „Ist das denn jetzt schlimm genug?“ Frauen kämen nach ihrer Erfahrung schneller zu dem Schluss, Unterstützung zu benötigen.

Ein Grund dafür sei das Rollenbild, sagt Piekorz. Entscheidend sei auch, was Jungen von männlichen Bezugspersonen wie Vätern oder Großvätern vorgelebt werde. Wenn diese offen über Sorgen, Ängste und Überforderung sprächen und sich bei Bedarf Hilfe suchten, könne das den Umgang mit eigenen Problemen prägen.

Wie schwer vielen Männern Gespräche über ihre Gefühle fallen, zeigt eine Forsa-Umfrage für die hkk Krankenkasse. Demnach sprechen 57 Prozent der Männer mit Partnerin oder Familie über ihre Sorgen. Im Freundeskreis tun dies 45 Prozent. Mehr als jeder Dritte versucht laut den Angaben, Probleme allein zu bewältigen.

Auch Zahlen zur psychischen Gesundheit deuten auf Unterschiede hin. Nach dem „Psychreport 2025“ der DAK entfielen auf 100 Versicherte bei Frauen 431 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen, bei Männern waren es 266. Piekorz wertet dies als Hinweis darauf, dass sich Männer seltener wegen psychischer Belastungen krankschreiben lassen.

Bleibe Unterstützung über längere Zeit aus, könne das Suizidrisiko steigen. Männer machten dabei mit fast 70 Prozent einen überdurchschnittlichen Anteil aus. Das Bundesgesundheitsministerium verweist zudem darauf, dass die Zahl psychischer Erkrankungen steigt. Gesellschaftlich geprägte Rollen und Belastungen in der Arbeitswelt könnten dabei eine Rolle spielen.

Als mögliche Warnsignale nennt Piekorz anhaltend schlechten Schlaf, exzessiven Sport, hohen Alkoholkonsum oder einen starken Rückzug in die Arbeit. Männer neigten häufig dazu, solche Anzeichen zu ignorieren und weiter zu funktionieren. Wenn Belastungssymptome nicht verschwänden, andere Menschen darauf aufmerksam machten oder Erholungszeiten nicht mehr erholsam seien, sei professionelle Unterstützung sinnvoll.

Der Schauspieler Martin Luding schildert in dem Beitrag, wie er nach Trennung, Scheidung, beruflichen Belastungen und Problemen in einer neuen Beziehung Hilfe suchte. Freunde hatten ihm zuvor geraten, das Tempo zu reduzieren. Nach einem Umzug von Stuttgart nach Bayern und während der Corona-Lockdowns war er zudem stark auf seine Kinder fokussiert.

Luding entschied sich schließlich für eine Therapie, weil er allein nicht weiterkam und seine zweite Partnerschaft nicht gefährden wollte. Eine anderthalbjährige Therapie bezeichnet er als wichtige Erfahrung. Er habe dadurch besser verstanden, welche Probleme aus Prägungen und welche aus Erfahrungen entstanden seien. Psychologische Hilfe zu nutzen, sei laut Piekorz kein Zeichen von Schwäche, sondern könne auch als Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben und die eigene Gesundheit verstanden werden.


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