Die Grünen wollen den Begriff „Heimat“ nicht der AfD überlassen. Parteichef Felix Banaszak und die frühere Parteivorsitzende Ricarda Lang warben im Live-Podcast „ntv Salon“ für einen politischen Begriff von Zugehörigkeit, Gemeinschaft und Gemeinwohl.
Banaszak sprach sich für einen positiveren Heimatbegriff innerhalb der Grünen aus. „Wenn man den Menschen die Heimat nimmt, dann nimmt man ihnen sehr viel“, sagte er. Die Partei müsse auch „Heimat für Menschen sein, emotionale Heimat und nicht nur so ein Programmkatalog“.
Sein Anspruch sei dabei „weniger Stuhlkreis, mehr Begegnung, weniger Belehrung“. Früher habe er Heimat vor allem kritisch als „Heimattümelei“ betrachtet. Inzwischen habe sich seine Haltung verändert. Menschen hätten ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Diesem Verlustgefühl dürfe man nicht lediglich eine Theorie von kosmopolitischer Freiheit entgegensetzen.
Banaszak sagte, er habe den Wert von Tradition und Heimat erst später verstanden. Nach dem Abitur sei er aus dem Ruhrgebiet nach Berlin gegangen, weil er weggewollt habe. In der Hauptstadt habe er gemerkt, „dass ich ein Kind des Ruhrgebiets bin und auch ein gar nicht mal so wenig stolzes“.
Auch die Deindustrialisierung spiele dabei eine Rolle, erklärte Banaszak. Wenn Menschen ihren Arbeitsplatz verlören, verlören sie häufig zugleich „Identität und Anker“. Das könne antidemokratische Politik begünstigen.
Ricarda Lang sagte, sie könne nachvollziehen, warum der Heimatbegriff der AfD besonders im Osten verfange. Er vermittle ein Verlustgefühl. Die liberale Moderne habe vielen Menschen neben materieller Sicherheit auch Zugehörigkeit und Verwurzelung genommen. Diesen Schmerz greife bislang „fast nur“ die politische Rechte auf.
Wenn nicht nur die Rechten darauf antworten sollten, müssten auch die Grünen etwas schaffen, das Zugehörigkeit, Gemeinwohl und Gemeinschaft stärke, sagte Lang. Sie bezeichnete sich selbst als „Verfassungspatriotin“. Lange habe sie vor allem die kritische Seite Deutschlands gesehen und das Positive als selbstverständlich betrachtet, etwa das Aufwachsen in einem Rechtsstaat, die Mitgliedschaft in der EU und das Grundgesetz.
Banaszak äußerte sich zugleich zurückhaltend zu seiner persönlichen Liebe zu Deutschland. Er identifiziere sich mit dem Land, habe aber ein ambivalentes Verhältnis zu Nationalstolz. Diese Ambivalenz tue Deutschland vermutlich gut. Lang lehnte einen Wettbewerb darüber ab, wer Deutschland am meisten liebe.
Zu einer früheren Kritik an einer Antwort im ARD-Sommerinterview sagte Banaszak, er habe sich mit dem Verweis auf seine Heimatstadt Duisburg „ein bisschen rausreden“ wollen.

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