Ex-Chef von JenaKultur wegen Kunstprojekt vor Gericht

Der frühere JenaKultur-Chef Jonas Zipf muss sich wegen des Verdachts der Untreue in einem besonders schweren Fall vor dem Amtsgericht Jena verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Zusammenhang mit einem Kunstprojekt Verträge abgeschlossen zu haben, obwohl er dazu nicht allein befugt gewesen sein soll.

Nach Darstellung der Anklage soll der Stadt Jena dadurch ein Schaden von 99.000 Euro entstanden sein. JenaKultur gehört als Eigenbetrieb zur Stadt.

Im Mittelpunkt steht das Kunstprojekt „The Diamond Maker“ des Schweizer Künstlers Christoph Büchel. Dabei wurden aus der Asche verbrannter Kunstwerke und dem Kohlenstoff menschlicher Fäkalien Edelsteine hergestellt. Zipf soll 2021 eine Zusammenarbeit mit Büchel angestoßen haben.

Für das insgesamt mehr als 250.000 Euro teure Projekt hätte nach Angaben der Anklage der Jenaer Stadtrat zustimmen müssen. Einen entsprechenden Beschluss soll Zipf nicht eingeholt haben. Zudem soll er in sechs Fällen Verträge abgeschlossen haben, ohne diese abzustimmen oder vorgeschriebene Vergleichsangebote einzuholen.

Bei den einzelnen Verträgen soll es laut Anklage um Beträge zwischen 8000 und 30.000 Euro gegangen sein. Unter den Vertragspartnern waren demnach unter anderem Büchel und dessen Kurator.

Die Stadt Jena erstattete im April 2022 Anzeige gegen Zipf. Kurz darauf verließ er JenaKultur im Rahmen eines Aufhebungsvertrags. Heute ist er kaufmännischer Geschäftsführer des Hamburger Kultur- und Theaterzentrums Kampnagel.

Zum Auftakt des Prozesses schwieg Zipf zu den Vorwürfen. Sein Anwalt Khubaib Mohammed erklärte: „Die Sache wurde nicht richtig ausermittelt.“ Zipf sei nach Jena geholt worden, um eigenständig Projekte anzustoßen.

Die Verteidigung will weitere Zeugen hören lassen und ein Gutachten zu dem Kunstprojekt beantragen. Am 16. November soll die Verhandlung fortgesetzt werden.

Die geplanten Kunstwerke wurden trotz des Streits tatsächlich öffentlich gezeigt. 2024, zwei Jahre nach Zipfs Ausscheiden bei JenaKultur, war ein Koffer mit den ungewöhnlichen Edelsteinen auf der Biennale in Venedig zu sehen.


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