Metall-Tarifrunde: IG Metall weist Arbeitgeberangebot zurück

Die IG Metall hat das erste Angebot der Arbeitgeber in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie zurückgewiesen. Die Gewerkschaft hält die vorgeschlagenen Erhöhungen für zu niedrig und die Laufzeit für zu lang. Nach dem Ende der Friedenspflicht sind ab Sonntag, dem 1. November, Warnstreiks möglich.

Von den regionalen Verhandlungen sind rund 3,7 Millionen Beschäftigte der deutschen Metall- und Elektroindustrie betroffen. Nach zwei Gesprächsrunden gab es nach Angaben der Gewerkschaft keine ausreichende Annäherung.

Das Angebot der Arbeitgeber sieht nach acht Monaten ohne Erhöhung für Juli 2027 eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresbruttoentgelts vor. Im Juli 2028 soll eine dauerhafte Tariferhöhung von 1,3 Prozent folgen. Der Tarifvertrag soll bis Ende 2028 laufen. In Baden-Württemberg würde die Einmalzahlung nach Angaben von Gesamtmetall etwa 700 Euro betragen.

Die IG Metall kritisiert, dass das Angebot die Preissteigerungen nicht ausgleiche und zu weiteren Reallohnverlusten führen könne. Der NRW-Bezirksleiter Knut Giesler bezeichnete den Vorschlag als zu spät einsetzend und unzureichend. Auch in Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg gingen die Tarifparteien ohne Annäherung auseinander.

Die Gewerkschaft fordert für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld ab November und eine deutlich kürzere Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem verlangt sie Vereinbarungen zur Sicherung von Betrieben und Arbeitsplätzen. Tarifliche Zuschläge in wirtschaftlich gut laufenden Branchen sollen nach dem Willen der IG Metall die unterschiedlichen Unternehmenslagen berücksichtigen.

Die Arbeitgeber knüpfen ihr Angebot an mehrere Bedingungen. Sie wollen Sonderregelungen für wirtschaftlich schwächere Betriebe ausweiten und über Maßnahmen gegen hohe Krankenstände sowie über eine schnellere Einführung Künstlicher Intelligenz beraten.

Dem Vorschlag zufolge könnten Unternehmen mit geringen Gewinnen die Einmalzahlung aussetzen. Zudem soll die sogenannte automatische Differenzierung ausgeweitet werden. Damit können Betriebe in wirtschaftlich schwieriger Lage bestimmte tarifliche Zahlungen verschieben oder ausfallen lassen. Südwestmetall zufolge wären in Baden-Württemberg 45 Prozent der Betriebe von der Zahlung ausgenommen, weil sie Verluste machten oder unterhalb der maßgeblichen Grenze verdienten.

Darüber hinaus wollen die Arbeitgeber eine neue Verhandlungsmöglichkeit auf betrieblicher Ebene schaffen. Dabei soll es um Investitionen, Innovationen, Standorte und die Sicherung von Beschäftigung gehen. Verhandlungspartner wären dann die Betriebsräte und nicht mehr die Gewerkschaft.

Die IG Metall kritisiert diese Pläne. Der niedersächsische Bezirksleiter Thorsten Gröger warnte davor, dass Ausnahmen für Betriebe in wirtschaftlicher Not zum Regelfall werden könnten. Die Arbeitgeber weisen ihr Angebot dagegen als fairen Vorschlag in einer schweren wirtschaftlichen Krise zurück.

In Nordrhein-Westfalen soll die Tarifkommission am Samstag über das weitere Vorgehen entscheiden. Die Arbeitgeber haben ihr abgestimmtes Angebot zunächst in fünf Tarifbezirken vorgelegt. Die Verhandlungen in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen sollen am Mittwoch fortgesetzt werden. Am Donnerstag folgen Berlin und Brandenburg sowie Sachsen-Anhalt. Im Tarifgebiet Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim ist die nächste Verhandlungsrunde für Freitag vorgesehen.


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