Reisner: Trump hält Ukraine-Krieg in dieser Form für nicht gewinnbar

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Die diplomatischen Bemühungen im Ukraine-Krieg nehmen nach Einschätzung von Oberst Markus Reisner zu. US-Präsident Donald Trump gelange zunehmend zu der Überzeugung, dass der Konflikt gegen Russland in seiner derzeitigen Form nicht zu gewinnen sei, sagte Reisner im Gespräch mit ntv.de.

Nach Angaben aus dem Interview haben sich die Ukraine und Russland auf Vermittlung von Melania Trump auf eine lokale Feuerpause in der russisch besetzten Stadt Oleschky geeinigt. Dort sollen sich am südlichen Ufer des Dnjepr rund 2000 bis 2500 ukrainische Zivilisten befinden. Ziel sei es, die Menschen aus der umkämpften Zone zu bringen.

Reisner wertet die Feuerpause als mögliches Signal für weitere Verhandlungen. Auch bei den Gefangenenaustauschen gebe es zuletzt mehr Bewegung. Beide Seiten versuchten offenbar zu zeigen, dass Gespräche weiterhin möglich seien. Ob die lokale Vereinbarung Bestand habe, sei jedoch offen. Die Forderungen Russlands und der Ukraine lägen weiterhin weit auseinander.

Für die erste Novemberhälfte seien Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi angekündigt worden. Es wären die ersten direkten Verhandlungen seit Februar. Nach Angaben im Interview sollen sie ein Treffen auf höchster Ebene vorbereiten. Der ukrainische Präsident Selenskyj setze große Hoffnungen auf die Gespräche.

Die USA versuchten nach Reisners Einschätzung, den Konflikt in Richtung eines Waffenstillstands zu bewegen. Gleichzeitig übten sie Druck auf die Ukraine aus, auf russische Forderungen einzugehen. Washington vermittle den Eindruck, möglichst bald ein Ergebnis vorlegen zu wollen. Trump könnte einen eingefrorenen Konflikt anschließend als Befriedung darstellen und sich anderen Herausforderungen zuwenden, sagte Reisner.

Russland halte jedoch an weitreichenden Forderungen fest. Die Ukraine sei bereit, den Konflikt entlang der aktuellen Frontlinien einzufrieren, lehne aber Gebietsabtretungen ab. Russland wolle dagegen den Donbass kontrollieren. Als mögliche wirtschaftliche Angebote an Moskau nannte Reisner eine Verringerung der Sanktionen und einen besseren Zugang zu den Weltmärkten.

Die öffentliche Annäherung zwischen Washington und Moskau erklärte Reisner mit dem Versuch, eine Gesprächsatmosphäre zu schaffen. US-Sondergesandter Steve Witkoff hatte den russischen Präsidenten Wladimir Putin als „Humanisten“ bezeichnet. Solche Äußerungen könnten den Weg für Verhandlungen vorbereiten, zugleich aber russische Maximalforderungen weiter verstärken.

Eine grundsätzliche Bereitschaft Russlands zu einer Beruhigung des Konflikts ist laut Reisner derzeit nicht erkennbar. Die Aufrüstung und die Rhetorik in den russischen Staatsmedien deuteten vielmehr darauf hin, dass Moskau den Krieg zur Durchsetzung seiner Ziele fortsetzen wolle.

Auch militärisch sieht Reisner keine klare Entscheidung. Beide Seiten hätten große Schwierigkeiten, größere Offensiven zu starten. Es gebe taktische Einbrüche, aber keine operativen Durchbrüche. Die Ukraine habe unter anderem nördlich von Lyman russische Kräfte zurückdrängen können. Einen klaren strategischen Vorteil einer Seite erkenne er dennoch nicht.

Zusätzliche Bedeutung habe die Abhängigkeit der Ukraine vom Satellitenkommunikationssystem Starlink. Europa könne in dieser Qualität und Größenordnung bislang keinen vollständigen Ersatz bieten. Gemeinsam mit Nokia und ICEYE arbeite die Ukraine an einer unabhängigen Satellitenkommunikation, bislang jedoch mit begrenzter Kapazität.


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