Im Tierheim Reutlingen werden ausgewählte Rehe, die bei Wildunfällen verendet sind, zu Hundefutter verarbeitet. Das Fleisch soll nicht entsorgt werden, sondern den Tierheimhunden zugutekommen.
Hinter dem Projekt stehen das Tierheim und die Jägervereinigung. Sandra Weiß entwickelte die Idee gemeinsam mit ihrem Mann Marc Weiß, dem Kreisjägermeister. Ausgangspunkt war die Frage, wie sich Unfallwild sinnvoll nutzen lässt.
Die Beteiligten sehen in der Zusammenarbeit vor allem einen nachhaltigen Ansatz. Das Wild bleibt im Kreislauf, während das Tierheim Futterkosten sparen kann. Auch der Landesjagdverband Baden-Württemberg unterstützt die Idee. Das Projekt könnte nach Einschätzung der Beteiligten als Beispiel für andere Tierheime dienen.
Eine Übertragung auf andere Einrichtungen ist allerdings mit hohen Anforderungen verbunden. Das Wild muss fachgerecht zerlegt werden. Wegen möglicher Keime muss das Fleisch außerdem gekocht werden. Zusätzlich müssen Krankheits- und Seuchengefahren berücksichtigt werden. Auch ausreichende Kühlmöglichkeiten sind erforderlich.
In Reutlingen gelten deshalb klare Vorgaben. Wildschweine werden nicht verarbeitet, weil sie die für Hunde tödliche Aujeszkysche Krankheit übertragen können. Bei Füchsen, Mardern und Waschbären können Parasiten ein Risiko darstellen.
Verwendet werden daher vor allem Rehe, die keine Anzeichen von Krankheiten oder Seuchen zeigen und nicht zu lange am Straßenrand gelegen haben. Die Jägervereinigung fasst die Regel so zusammen: Abgegeben werden soll nur ein Tier, das man auch dem eigenen Hund bedenkenlos füttern würde.
Im Tierheim wird das Fleisch in großen Töpfen gekocht und anschließend unter das Futter gemischt. Nach Angaben von Tierpflegerin Nina Herzog kommt das kostenlose Wildfleisch angesichts steigender Futterkosten zur richtigen Zeit. Zudem könnten Hunde mit Futtermittelallergien davon profitieren, da ihr teures Spezialfutter teilweise mit Rehfleisch ergänzt werden kann.
Eine vollständige Umstellung auf Wild ist jedoch nicht geplant. Dafür gibt es nach Angaben des Tierheims zu wenig Unfallwild. Außerdem wäre eine ausgewogene Ernährung mit rohem Fleisch aufwendig. Bei Hunden, die vermittelt werden sollen, müsse die Fütterung alltagstauglich bleiben.

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