NSDAP-Akten: Was die Unterlagen über Herberger und Walser zeigen

In digitalisierten Unterlagen aus der NS-Zeit finden sich die Namen später prominenter Deutscher. Dazu gehören der Fußballtrainer Josef „Sepp“ Herberger, die Schriftsteller Martin Walser und Siegfried Lenz, der Kabarettist Dieter Hildebrandt sowie der FDP-Politiker Hans-Dietrich Genscher.

Besonders ausführlich beleuchtet der Beitrag die Akten von Herberger und Walser. Herberger wurde am 1. Mai 1933 unter der Mitgliedsnummer 2208548 in die NSDAP aufgenommen. Als Beruf gab er „Diplom-Sportlehrer“ an. Als Wohnorte sind zunächst Duisburg und später die Bülowstraße in Berlin vermerkt.

Im Jahr 1937 wurde Herberger Reichstrainer und betreute die deutsche Fußball-Nationalmannschaft während der NS-Zeit. 1954 führte er das Team in der Schweiz zum Weltmeistertitel, der als „Wunder von Bern“ bekannt wurde.

Zu Herberger liegt neben der NSDAP-Karteikarte auch eine Entnazifizierungsakte vor. In seinem handschriftlichen Lebenslauf nennt er seine Tätigkeit als Trainer der Nationalmannschaft ab dem 1. Januar 1937. Außerdem ist ein kurzer Einsatz als Soldat auf dem Fliegerhorst Dievenow im Jahr 1944 vermerkt.

Im Entnazifizierungsverfahren erklärte Herberger, bei der Wahl im März 1933 nicht die NSDAP, sondern die SPD gewählt zu haben. Am 21. September 1946 wurde er durch einen Sühnebescheid entnazifiziert. Die Spruchkammer stufte ihn als „Mitläufer“ ein und verhängte eine Geldsühne von 500 Reichsmark.

Herberger sagte nach dem Krieg, er habe sich auf seinen Sport und seine berufliche Ausbildung konzentriert und keine Zeit für Politik gehabt. In den Unterlagen finden sich zudem sogenannte „Persilscheine“, darunter eine Bescheinigung eines Polizeichefs aus Weinheim. Darin wurde Herberger als Gegner des NS-Regimes dargestellt, der sich für Juden und politisch Verfolgte eingesetzt habe.

Martin Walser beantragte seine Aufnahme in die NSDAP laut Karteikarte am 30. Januar 1944. Die Aufnahme mit der Mitgliedsnummer 9742136 erfolgte am 20. April desselben Jahres. Walser war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt.

Als seine Mitgliedschaft 2007 öffentlich wurde, bestritt Walser, wissentlich in die Partei eingetreten zu sein. Auch Siegfried Lenz und Dieter Hildebrandt äußerten sich ähnlich. Das Bundesarchiv verwies darauf, dass für die Aufnahme normalerweise eine persönliche Unterschrift erforderlich gewesen sei. Der Historiker Jürgen W. Falter hielt jedoch auch Sammelanträge oder fremde Unterschriften in Einzelfällen für möglich. Ob dies auf Walser zutraf, lasse sich heute nicht mehr klären.

Walsers Mitgliedschaft wurde auch wegen einer Rede aus dem Jahr 1998 in der Frankfurter Paulskirche diskutiert. Darin kritisierte er den Umgang mit der Erinnerung an den Holocaust. Zwei Jahrzehnte später bezeichnete Walser die Rede als „Fehler“ und „menschliches Versagen“.


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