In Aachen ist der Deutsche Umweltpreis an die Umweltjuristin Roda Verheyen und den Ingenieur Klaus Vossenkaul verliehen worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nutzte die Zeremonie, um trotz anderer Krisen zu mehr Klimaschutz aufzurufen.
Angesichts der Sorgen um Stabilität und Sicherheit gerieten Umwelt- und Klimaschutz bei vielen Menschen derzeit vermutlich in den Hintergrund, sagte Steinmeier. Zugleich sei der Ernst der Lage deutlich spürbar. „Die Fieberkurve unseres Planeten zeigt deutlich nach oben“, erklärte der Bundespräsident.
Europa treffe der Klimawandel besonders stark, sagte Steinmeier. Der Kontinent erwärme sich mehr als doppelt so schnell wie andere Regionen. Als Folgen nannte er unter anderem Temperaturrekorde, Waldbrände und ausgetrocknete Flüsse.
Der vergangene Hitzesommer habe die dramatischen Auswirkungen der Erderwärmung gezeigt. Wegen niedriger Wasserstände sei die Schifffahrt teilweise kaum noch möglich gewesen. Zudem verwies Steinmeier auf 16.000 zusätzliche Sterbefälle laut Robert Koch-Institut.
Der Deutsche Umweltpreis wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt vergeben und zählt mit einem Preisgeld von 500.000 Euro zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas. In diesem Jahr wird die Summe zu gleichen Teilen an die beiden Preisträger vergeben.
Vossenkaul erhält die Auszeichnung für die Weiterentwicklung der Membranfiltertechnologie zur Abwasserreinigung in Kläranlagen. Die Technik ermöglicht es nach Angaben aus der Laudatio, Anlagen platz-, energie- und kostensparend umzurüsten. Zudem kann sie dort, wo sie eingesetzt wird, Grundwasser schonen.
Verheyen wird für ihren Einsatz für rechtliche Vorgaben zugunsten von Umwelt- und Klimagerechtigkeit geehrt. Steinmeier würdigte insbesondere ihre Rolle bei einer Verfassungsbeschwerde gegen das Klimaschutzgesetz im Jahr 2021. Diese habe entscheidend dazu beigetragen, dass das Bundesverfassungsgericht seine Vorgabe zur Klimaneutralität bis 2045 formulierte.
Der Bundespräsident bezeichnete beide Preisträger als Vorbilder. Sie zeigten, dass jede und jeder Einzelne etwas bewirken könne. Der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Alexander Bonde, nannte Verheyen und Vossenkaul „Mutmacher“ und hob ihre Haltung, Beharrlichkeit und Innovationskraft hervor.
Verheyen sagte, sie freue sich über den Preis, sei zugleich aber „extrem traurig“. Nach ihrer Einschätzung steuere die Erde den Vereinten Nationen zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts auf eine Erwärmung von 2,8 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Dies bedeute eine immense Gefahr für die Menschheit, erklärte die Juristin.
Sie warnte zudem vor möglichen Kipppunkten in der Arktis, der Antarktis und im Amazonas-Gebiet. Die Menschheit begebe sich sehenden Auges in eine große Gefahr, sagte Verheyen.

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