Viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland meiden die Toiletten ihrer Schule. Fehlende Seife und Handtücher, herumliegendes Klopapier, beschädigte Ausstattung und unangenehme Gerüche machen den Aufenthalt für sie unattraktiv.
Oft sind die Sanitärräume seit langer Zeit nicht saniert worden. Kritzeleien, abblätternde Farbe und fehlende Toilettendeckel verstärken den Eindruck, dass sich niemand um die Räume kümmert. Im Laufe des Schultags kommen Schmierereien, Unordnung und Verschmutzungen hinzu.
Die Folgen können für Kinder und Jugendliche belastend sein. Eine Befragung der German Toilet Organization aus dem Sommer 2023 unter Schülerinnen und Schülern in Berlin ergab, dass die Hälfte die sanitären Anlagen mit der Note 5 oder 6 bewertete. Viele Befragte gaben außerdem an, absichtlich weniger zu essen und zu trinken, um die Schultoiletten nicht benutzen zu müssen. Das kann zu Verstopfung und Konzentrationsproblemen führen.
Dass Veränderungen möglich sind, zeigt die Hellweg-Realschule in Unna. Dort galten die Toiletten früher ebenfalls als unangenehm. Heute gibt es dort ausreichend Seife und Papier, farbenfrohe Ausstattung, Musik und bunte Lichtstreifen. Vandalismus kommt nach Angaben aus der Schule nicht mehr vor.
Ausgangspunkt für die Umgestaltung war die Schülervertretung. Sie sprach die Schulleitung an und befragte anschließend die Klassen zu den größten Problemen. Genannt wurden unter anderem Gedränge, Gestank und Schmierereien. Die Schülerinnen und Schüler besuchten außerdem eine Schule in Münster, deren Toiletten sie als Vorbild betrachteten.
Danach sammelte die Schülervertretung weitere Ideen. Dazu gehörten Trennwände an den Urinalen, Duftspender, Pflanzen, neue Farben und gut gefüllte Unterschränke. Die Schulleitung unterstützte das Projekt. Finanziert wurde es aus einem eigenen Schulbudget, durch Hilfe von Eltern und mit Unterstützung von Sponsoren.
Die Schülerinnen und Schüler waren nicht nur an der Planung beteiligt. Sie übernehmen auch eine Toiletten-Aufsicht. In jeder Pause prüfen sie, ob Papier und Seife vorhanden sind. Außerdem achten sie darauf, dass nicht zu viele Kinder gleichzeitig in die Räume gehen. Das soll Gedränge und Unruhe verhindern.
Die Hellweg-Realschule gewann mit ihren Veränderungen vor zwei Jahren den Wettbewerb „Toiletten machen Schule“. Dafür erhielt sie ein Preisgeld von 5000 Euro und einen Warengutschein über 10.000 Euro für Sanitär- und Badeeinrichtungen.
Mit dem Gewinn finanzierte die Schule ein weiteres Projekt: eine All-Gender-Toilette. Sie soll Kindern offenstehen, die sich unwohl damit fühlen, zwischen einer Mädchen- und einer Jungentoilette wählen zu müssen.
Die German Toilet Organization empfiehlt ebenfalls, Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung ihrer Sanitärräume einzubeziehen. Sie sollen Probleme benennen und eigene Lösungen entwickeln können, statt dass Erwachsene allein über die Toiletten entscheiden.

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