Der russische Energiekonzern Novatek soll ein Flüssiggasprojekt in Alaska heimlich finanziert und gesteuert haben. Das berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf den früheren Geschäftsführer von Polar Train LNG, Joel Riddle.
Polar Train LNG baut derzeit ein Gasexportterminal in Alaska. Das Vorhaben ist Teil einer Initiative von Donald Trump, mit der die Energieexporte nach Asien ausgeweitet werden sollen.
Dem Bericht zufolge ist auch der Investor Gentry Beach an dem Projekt beteiligt. Beach soll gute Verbindungen zur Trump-Familie haben und an Gesprächen zwischen Washington und Moskau über mögliche gemeinsame Geschäfte nach einem Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beteiligt gewesen sein.
Polar Train LNG wurde im März gegründet, um ein bereits zuvor teilweise von Novatek errichtetes Gasterminal fertigzustellen. Das US-Unternehmen beantragte beim US-Finanzministerium eine Genehmigung, trotz der Sanktionen mit russischen Unternehmen verhandeln zu dürfen. Diese Erlaubnis wurde dem Bericht zufolge bislang nicht erteilt.
Riddle erklärte, er habe erst im weiteren Verlauf erfahren, dass Novatek das Projekt bereits ohne die erforderlichen Genehmigungen finanziert habe. Aus diesem Grund sei er im September als Geschäftsführer zurückgetreten. Neben ihm hätten auch weitere Führungskräfte das Unternehmen verlassen.
„Ich bin als Geschäftsführer von Polar LNG zurückgetreten, weil es mir Unbehagen bereitete, dass das russische Unternehmen Novatek das Unternehmen finanzierte und letztlich dessen strategische Ausrichtung bestimmte“, sagte Riddle der „Financial Times“.
Polar LNG wies die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen bezeichnete Riddle als „unzufriedenen Mitarbeiter“ und erklärte, er sei entlassen worden. Die Entwicklungsarbeiten würden unter vollständiger Einhaltung der geltenden US-Gesetze fortgesetzt.
Novatek steht seit 2023 auf einer Sanktionsliste des US-Finanzministeriums. Der Konzern hat an der sibirischen Nordküste die Gasexportanlage „Arctic LNG 2“ errichtet. Die Sanktionen erschweren offenbar den Vollbetrieb der Anlage.
Dem Bericht zufolge wurde zwischen Washington und Moskau darüber verhandelt, die Sanktionen gegen Novatek aufzuheben, wenn das Unternehmen seine Erfahrung beim Bau von Gasterminals in Alaska einbringt. Novatek bestreitet dies. Der Konzern erklärte, der Einsatz seiner Technologie in Alaska werde als eigenständiges und unabhängiges Projekt betrachtet.

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