BSI warnt vor KI-beschleunigten Cyberangriffen nach PHP-Sicherheitslücken

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor künftig deutlich schnelleren und umfangreicheren Cyberangriffen. Nach Einschätzung von BSI-Vizepräsident Thomas Caspers könnten Angreifer neue Sicherheitslücken mithilfe künstlicher Intelligenz innerhalb weniger Stunden ausnutzen.

„Die Zeit von der Entdeckung einer Schwachstelle bis zu ihrer Ausnutzung – wir nennen das Time to Exploit – ist in den letzten Monaten drastisch gesunken“, sagte Caspers im Gespräch mit BILD. Durch den Einsatz von KI könne diese Zeitspanne auf null Tage sinken. Dann dauere es möglicherweise nur noch Stunden, bis Angreifer neue Schwachstellen für Attacken nutzten.

Wie groß die Gefahr ist, zeigte sich in dieser Woche bei zwei kritischen Sicherheitslücken in der Programmiersprache PHP. Die Schwachstellen wurden am Mittwoch öffentlich. Über PHP laufen nach Angaben aus dem Bericht rund 70 Prozent aller Webseiten weltweit, darunter auch Systeme wie WordPress.

Die Lücken ermöglichten es Angreifern, aus der Ferne und ohne Anmeldung Schadcode auf Webservern auszuführen. Daraufhin nahmen Behörden und Unternehmen weltweit ihre Webseiten vorsorglich vom Netz. Noch am selben Tag wurde ein Update veröffentlicht.

Seit dem Bekanntwerden der Sicherheitslücken registrieren das BSI und andere Stellen Angriffsversuche im zweistelligen Millionenbereich. Eine großflächige Ausnutzung in Deutschland oder erfolgreiche Angriffe mit Datenabfluss sieht das BSI bislang nicht. Entwarnung gibt es dennoch nicht: Zahlreiche Webseiten laufen weiterhin mit alten PHP-Versionen.

Caspers rechnet damit, dass sich Cyber-Großalarme wie in dieser Woche künftig häufiger wiederholen könnten. Die Vorfälle könnten in kürzeren Abständen auftreten. Mithilfe von KI seien Angreifer in der Lage, deutlich schneller und sehr viele Systeme gleichzeitig anzugreifen. „Die Angriffe werden schneller und heftiger“, warnte der BSI-Vizepräsident.

Auch die Anbieter von KI-Systemen sieht Caspers in der Verantwortung. Sie müssten ihre Modelle so absichern, dass diese zur Absicherung von IT-Infrastrukturen genutzt werden könnten und Angriffe nicht zusätzlich unterstützten.

Nutzer könnten sich nach Einschätzung von Caspers weiterhin sicher im Internet bewegen. Er rät jedoch zu einem „gesunden Misstrauen“. Eine vollständige Sicherheit könne es nicht geben.


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