Ron Lauder warnt vor Netanjahus Wiederwahl und kritisiert Israels Regierung scharf

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Wenige Tage vor den Knesset-Wahlen in Israel hat Ron Lauder vor einer weiteren Amtszeit von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gewarnt. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses und frühere Vertraute Netanyahus äußerte sich in einem Interview mit der israelischen Zeitung „Haaretz“ besorgt über die politische Entwicklung des Landes.

Trotz der Skandale um Netanyahu seien dessen Chancen auf eine Fortsetzung seiner Amtszeit nicht schlecht, heißt es in dem Bericht. Lauder kritisierte, die aktuelle Regierung stelle ihre eigenen Interessen über die des israelischen Volkes. Die Minister Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich zerstörten Israel mit Netanyahus Wissen und Zustimmung, sagte er.

Lauder bezeichnete Netanyahu als „Diktator“ und sprach von einer „Einmannshow“. Israel sei zwar eine Demokratie, Netanyahu halte sich aber nicht an die Regeln der Demokratie. Sollte er einen Kandidaten für die anstehende Wahl auswählen, würde er Gadi Eisenkot, den Vorsitzenden der Jaschar-Partei, bevorzugen.

Der 82-jährige Lauder ist Erbe des Kosmetikkonzerns Estée Lauder und steht seit Juni 2007 an der Spitze des Jüdischen Weltkongresses. In den vergangenen Monaten habe er seine verbliebenen Immobilien in Israel verkauft oder verschenkt. Er wolle nicht nach Israel zurückkehren und habe seine Verbindungen zu dem Land im Grunde gekappt, sagte er.

Lauder lernte Netanyahu in dessen Zeit als israelischer Uno-Botschafter in New York kennen. Beide seien damals eng befreundet gewesen und hätten sich häufig ausgetauscht. Nach Netanyahus Rückkehr nach Israel habe sich dieser nach Lauders Einschätzung von einem aufgeschlossenen zu einem politischen „Bibi“ gewandelt. Bibi ist Netanyahus Spitzname.

Der Unternehmer warf Netanyahu zudem vor, seine politische Karriere über einen möglichen Friedensschluss gestellt zu haben. Lauder berichtete erstmals von Verhandlungen, die er Ende der Neunzigerjahre im Auftrag des israelischen Ministerpräsidenten mit dem syrischen Staatschef Hafis al-Assad und dem libanesischen Premierminister Rafik Hariri geführt habe.

Nach monatelangen Gesprächen habe ein Zehn-Punkte-Friedensplan vorgelegen, dem nach Lauders Darstellung alle drei Politiker zugestimmt hätten. Assad sei bereit gewesen, das Abkommen zu unterzeichnen. Netanyahu habe es jedoch nicht unterschrieben. Unter anderem soll der damalige Ministerpräsident einem Rückzug von den Golanhöhen zugestimmt haben, was er später bestritten habe. Die endgültige Fassung des Plans wurde nie veröffentlicht.

Lauder äußerte sich auch besorgt über Israels Beziehungen zu den USA. Israel habe nach seiner Einschätzung zunächst die Unterstützung der Demokratischen Partei und nun auch die der Republikanischen Partei verloren. Die Beziehungen zwischen Netanyahu und US-Präsident Donald Trump könnten trotz Trumps Unterstützung für Netanyahu bei der Wahl auf einen Konflikt zulaufen.

Netanyahu empfahl Lauder, extremistische Kräfte aus einer möglichen künftigen Regierung herauszuhalten. Sie hätten bereits zu viel zerstört. Seine Kritik begründete er zugleich mit seiner Verbundenheit zu Israel: Er sei weiterhin Zionist, liebe Israel und äußere sich aus Sorge um dessen Zukunft.


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