Junge US-Amerikaner blicken mit Skepsis auf den amerikanischen Traum

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Für viele junge Menschen in den USA wirkt der klassische amerikanische Traum eines höheren Lebensstandards durch harte Arbeit zunehmend unerreichbar. Vor den Kongresswahlen im November schwanken sie zwischen Zuversicht, Enttäuschung und geringem Vertrauen in die Politik.

Muhammad Bakshi, Student an der University of Texas in Dallas, hält den amerikanischen Traum weiterhin für realistisch. Gemeinsam mit Raya Abdelkalik leitet er eine Studierendenorganisation, die Kontakte zu Unternehmen vermittelt und sich mit Sparen, Investitionen und Karriereplanung beschäftigt. Beide sind überzeugt, dass ihre Ausbildung die Grundlage für ein gutes Leben schaffen kann.

Andere junge Amerikaner erleben deutlich größere Schwierigkeiten. Logan Wetmore hat ein IT-Studium abgeschlossen und sucht seit etwa sechs Monaten nach einer Stelle. Nach eigener Aussage hat er bislang kein Vorstellungsgespräch erhalten. Zusätzlich sorgt er sich, dass Künstliche Intelligenz Tätigkeiten verändern könnte, über die junge Akademiker bisher in das Berufsleben eingestiegen sind.

Auch der Immobilienmarkt belastet viele Familien. Brandon Jones, ein 40 Jahre alter Lehrer und Footballcoach, und seine Frau, eine Physiotherapeutin, konnten nach zweijähriger Suche ein Haus mit drei Schlafzimmern und einem Garten in Garland bei Dallas kaufen. Sie hatten lange dafür gespart und wollten ihrer kleinen Tochter eine sichere Zukunft ermöglichen.

Für Cody Alonso und seine Frau reicht das eigene Haus dagegen nicht mehr aus, weil sie ihr erstes Kind erwarten. Sie suchen eine größere Immobilie in ihrem vertrauten Viertel und in der Nähe guter Schulen. Die hohen Preise machen den Kauf eines klassischen Familienhauses mit zwei Kinderzimmern jedoch schwierig. Beide verfügen über Hochschulabschlüsse.

Der Ökonom Cullum Clark von der Southern Methodist University und dem George W. Bush Institute erklärt, dass die Wohnkosten deutlich stärker gestiegen seien als die Einkommen. Dallas sei zwar wirtschaftlich erfolgreich und habe viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Der Zuzug, unter anderem aus Kalifornien und anderen teuren Regionen der USA, habe die Immobilienpreise jedoch zusätzlich erhöht.

Nach Clarks Einschätzung werden neben dem Wohnen auch Ausbildung, Kinderbetreuung und Gesundheitsversorgung für viele Menschen zu einer wachsenden Belastung. Damit stellt sich vor den Wahlen die Frage, wie sich Leistung wieder stärker auszahlen kann.

Das Vertrauen in die Politik ist unter den Befragten gering. Cody Alonso sieht kaum Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten und will einen Kandidaten der libertären Partei unterstützen. Brandon Jones möchte seine politische Haltung nicht öffentlich machen, weil er berufliche Nachteile befürchtet. Auch Muhammad Bakshi und Raya Abdelkalik äußern sich nicht dazu, welche Partei sie wählen wollen. Sie bezweifeln, mit ihrer Stimme viel bewirken zu können.

Eine repräsentative Ipsos-Umfrage zeigt, dass 76 Prozent der Amerikaner den Einfluss großer Wahlkampfspender als Hindernis für gewöhnliche Bürger sehen. Diese Sorge teilen Anhänger beider großen Parteien.

Die Lebenshaltungskosten gehören zu den zentralen Wahlkampfthemen. Beide Parteien versprechen Verbesserungen, doch Clark bezweifelt, dass bisher eine überzeugende Lösung gefunden wurde. Bei den unter 30-Jährigen liegen die Demokraten in Umfragen deutlich vor den Republikanern. Wie viele junge Menschen tatsächlich an den Wahlen teilnehmen werden, bleibt jedoch offen.

In 36 Bundesstaaten werden bei den Zwischenwahlen zudem die Gouverneurinnen und Gouverneure neu gewählt. Zuvor bestimmten die Parteien in Vorwahlen ihre Kandidaten. Für viele junge Amerikaner wird sich damit im November auch die Frage verbinden, ob sie ihre Hoffnungen und ihre wirtschaftliche Unzufriedenheit an der Wahlurne zum Ausdruck bringen.


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