Deutschland überstellt seit Juni nur vier Asylsuchende nach Italien und Griechenland

Deutschland hat seit dem Start des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) im Juni 2026 bislang nur vier Asylsuchende nach Italien und Griechenland überstellt. Zwei Personen wurden nach Italien gebracht, zwei weitere nach Griechenland.

Das berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Daten des Bundesinnenministeriums. Die Angaben wurden demnach auf eine Anfrage der AfD hin mitgeteilt. Nach Informationen der Zeitung stehen den vier Überstellungen Hunderte Fälle gegenüber, in denen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) Italien oder Griechenland als zuständige Länder festgestellt hatte.

Die AfD erklärte, das Innenministerium habe die konkreten Zahlen zu den Abschiebungen erst nach mehreren Nachfragen genannt. Warum Überstellungen in die beiden Länder in vielen Fällen nicht umgesetzt werden, blieb laut dem Bericht zunächst offen. Ebenfalls unbeantwortet sei die Frage, wie die Bundesregierung künftig für mehr Überstellungen sorgen will.

Das Geas sieht grundsätzlich strengere Regeln für Einreise und Asyl vor. Gleichzeitig sollen Länder an den europäischen Außengrenzen wie Italien und Griechenland entlastet werden. Deutschland will nach den vorliegenden Angaben auch in diese Staaten mehr Menschen überstellen. Daraus ergibt sich ein politischer Zielkonflikt.

In der Union ist der Druck groß, mehr Abschiebungen auf den Weg zu bringen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat Migration zu einem zentralen Thema seiner Amtszeit gemacht. Der CDU-Politiker Detlef Seif, der in der Unionsfraktion für Fragen zur europäischen Asyl- und Migrationspolitik zuständig ist, sieht auch die EU-Kommission in der Pflicht.

Italien habe grundsätzlich zugesagt, Überstellungen aus Deutschland zu ermöglichen, erklärte Seif. Rom halte Deutschland zugleich entgegen, dass deutsche Nichtregierungsorganisationen noch mehr Migranten an Land brächten. Für diese Position äußerte Seif laut dem Bericht Verständnis.

Sollte sich Italien weiterhin weigern, müsse ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet werden, forderte der CDU-Politiker demnach. Zunächst setze man jedoch auf weitere Gespräche zwischen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und dem italienischen Innenminister Matteo Piantedosi.


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