Im US-Wahlkampf vor den Midterms setzen Republikaner und Demokraten zunehmend auf persönliche Angriffe. Besonders im Rennen um das Gouverneursamt in Ohio sorgt ein Werbespot des Republikaners Vivek Ramaswamy für Widerspruch – auch in den eigenen Reihen.
Am 3. November wählen die US-Bürger einen großen Teil des Kongresses neu. Zudem werden in 36 Bundesstaaten neue Gouverneure bestimmt. Im Fernsehen und in sozialen Medien laufen deshalb umfangreiche Kampagnen. Einige Wahlkampfspots greifen die politischen Gegner dabei besonders scharf und persönlich an.
Im Mittelpunkt steht derzeit der Gouverneurswahlkampf in Ohio. Ramaswamy, der sich 2024 um die republikanische Präsidentschaftskandidatur beworben hatte, ließ einen Spot gegen seine demokratische Rivalin Amy Acton verbreiten. Darin bezeichnet Actons eigene Mutter, Donna Arthur, ihre Tochter als Lügnerin und erklärt, sie brauche Hilfe.
Der Spot blendet jedoch den familiären Hintergrund weitgehend aus. Acton hat demnach seit ihrem zwölften Lebensjahr keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter. Sie und ihr Bruder waren von der zuständigen Jugendbehörde aus der Familie genommen worden, nachdem der zweite Ehemann ihrer Mutter wegen der Vergewaltigung Actons angeklagt worden war. Der Stiefvater entzog sich bis zu seinem Tod im Jahr 2004 der Strafverfolgung. Actons Mutter blieb bis dahin mit ihm verheiratet.
Nachdem der Clip bereits im Internet verbreitet worden war, bestätigte Ramaswamy, dass es sich um eine offizielle Produktion seines Wahlkampfteams handelt. Die Kampagne kündigte an, den Spot weiter einzusetzen. Dafür seien vier Millionen Dollar vorgesehen.
Der Werbespot stieß auch bei Republikanern auf Kritik. Nikki Haley bezeichnete Ramaswamy auf X als „schlechten Menschen“. Der republikanische Senatskandidat Jon Husted distanzierte sich ebenfalls. Er sagte, er hätte die Anzeige nicht geschaltet.
Vizepräsident JD Vance verteidigte den Spot hingegen als legitimes Wahlkampfinstrument. Er zeigte sich empört über die Kritik aus den eigenen Reihen und erklärte, Ramaswamy habe es gewagt, die Dinge beim Namen zu nennen und Acton als Lügnerin zu bezeichnen.
Auch die Demokraten setzen im Wahlkampf auf scharfe Angriffe. In Ohio bringen ihre Werbespots den republikanischen Senatskandidaten Husted mit einem Bestechungsskandal in Verbindung. Die Anzeigen legen eine persönliche Verwicklung nahe. Husted wurde in diesem Fall allerdings weder angeklagt noch von den Strafverfolgungsbehörden eines Fehlverhaltens beschuldigt.
In Texas richten sich Angriffe gegen den Demokraten James Talarico. Republikaner und ihnen nahestehende Organisationen bezeichnen ihn in einer Werbewelle als „Extremisten“. Während Talarico sich wegen einer Grippe aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, wurden zudem Gerüchte über eine psychische Erkrankung verbreitet. Der republikanische Kandidat Ken Paxton teilte Anfang Oktober ein entsprechendes „Fahndungsplakat“ auf X.
Neben persönlichen Attacken kommen im Wahlkampf zunehmend KI-generierte Inhalte zum Einsatz. Im Rennen um das Gouverneursamt in Kalifornien stellte das Team des Republikaners Steve Hilton den demokratischen Kandidaten Xavier Becerra in solchen Darstellungen als Marionette der „demokratischen Maschine“ dar. In New York wurden Bürgermeister Zohran Mamdani und Gouverneurin Kathy Hochul mithilfe KI-generierter Darstellungen Aussagen zugeschrieben.
Nach einer Untersuchung des Wesleyan Media Projects wurden im laufenden Wahlzyklus mehr als 220 KI-generierte Wahlwerbevideos erfasst. Bis zum 11. Oktober waren demnach mehr als 137 Millionen Dollar für deren Verbreitung ausgegeben worden.

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