In der Talkshow von Markus Lanz ist über die Gründe für die Putin-Sympathien in Teilen Ostdeutschlands diskutiert worden. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum sich manche Menschen trotz historischer Erfahrungen mit der Sowjetunion und der Folgen der kommunistischen Planwirtschaft Russland verbunden fühlen.
Der Literaturprofessor Dirk Oschmann erklärte die Haltung unter anderem mit einem historischen Verlustgefühl. Brüssel habe als Repräsentant des Westens eine Norm vorgegeben, der sich osteuropäische Länder anpassen mussten. Zugleich sei ihnen trotz entsprechender Bemühungen immer wieder vermittelt worden, dass ihre Leistungen nicht ausreichten.
Nach Oschmanns Einschätzung setzte deshalb um das Jahr 2010 eine Gegenbewegung ein. Wer sich dauerhaft als zweitklassig behandelt fühle, könne sich wieder stärker auf nationale Eigenheiten besinnen. Auch die Finanzkrise von 2008 und 2009 habe gezeigt, dass es im globalen Wirtschaftsmodell viele Verlierer gebe.
Auf die Frage, ob daraus die Hinwendung zu Moskau entstanden sei, wollte Oschmann keinen direkten Zusammenhang bestätigen. Er sprach jedoch von einer möglichen „Identifikation mit dem historischen Verlierer“. Ostdeutsche könnten sich demnach als historische Verlierer verstehen und sich deshalb mit Russland unter Wladimir Putin identifizieren.
Der FAZ-Autor Reinhard Bingener widersprach dieser Erklärung. Sie laufe aus seiner Sicht darauf hinaus, dem Westen eine Mitverantwortung für die Russland-Zuneigung in Teilen Ostdeutschlands zu geben. Oschmann wies diesen Vorwurf zurück, während Bingener seine Kritik bekräftigte.
Bingener betonte außerdem, dass die Europäische Union von Beitrittskandidaten funktionierende Rechtsstaaten und eine funktionierende Wirtschaft verlangen müsse. Das sei wichtig für die Stabilität. Zugleich verwies er darauf, dass in anderen osteuropäischen Staaten eine ausgeprägte Furcht vor dem russischen Imperialismus und ein klarer Widerstandswille zu beobachten seien.
Markus Lanz und Oschmann führten diese Unterschiede auch auf die jeweilige historische Erfahrung zurück. Bingener hielt dagegen, dass Ostdeutschland ebenfalls stark unter Russland beziehungsweise der kommunistischen Vergangenheit gelitten habe. Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Ost und West seien vor allem ein Erbe der Planwirtschaft. Vor diesem Hintergrund bezeichnete er die starke Zuwendung zu Russland gerade in den besonders betroffenen Regionen als eine Spaltung.

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