Fast alle Korallenriffe weltweit könnten in den kommenden 50 Jahren absterben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Prognose der Weltnaturschutzunion (IUCN), die am Rande der laufenden UN-Artenschutzkonferenz in Armenien vorgestellt wurde.
Demnach besteht für 96 Prozent der Korallenriffe in den Weltmeeren ein extrem erhöhtes Risiko, bis zum Jahr 2075 abzusterben. Für die Analyse wurden Zustand und Entwicklung von Riffen vor den Küsten von mehr als 80 Ländern und Gebieten untersucht.
Als Grundlage diente das mittlere Szenario des UN-Klimarats. Es geht davon aus, dass sich die Erde bis zum Jahr 2100 im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um 2,7 Grad Celsius erwärmen könnte. Das international angestrebte Ziel, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, gilt laut der Analyse inzwischen als kaum noch erreichbar.
Die größte und beständigste Bedrohung für die Korallenriffe ist demnach der Hitzestress infolge des Klimawandels. Zusätzlich setzen Überfischung, Küstenbebauung, Umweltverschmutzung und Tourismus den Ökosystemen zu. Auch Stürme, die durch den Klimawandel häufiger auftreten, wurden als schädigender Faktor genannt.
Korallenriffe bieten einer großen Artenvielfalt einen Lebensraum und bilden natürliche Barrieren gegen Erosion. Die Tiere reagieren jedoch empfindlich auf Veränderungen der Wassertemperatur. Wird das Meer zu warm, stoßen sie die Mikroalgen ab, die in ihrem Gewebe leben und sie mit Nährstoffen versorgen. Die Korallen bleichen aus und sterben häufig ab.
Von der Entwicklung betroffen sind unter anderem Teile des Great Barrier Reef vor Australien, das Korallendreieck im westlichen Pazifik und in Südostasien, das mesoamerikanische Riffsystem sowie Riffe im Roten Meer. Dabei handelt es sich laut der Analyse um die größten und artenreichsten Riffsysteme der Welt.
Die IUCN ist ein Dachverband von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen aus dem Natur- und Artenschutz. Nach Angaben der Organisation handelt es sich bei der vorgelegten Analyse um die weltweit erste Untersuchung dieser Art.

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