Marine Le Pen hat in der ersten Ifop-Umfrage zur französischen Präsidentschaftswahl seit den Ausschreitungen am Wochenende leicht zugelegt. Je nach Kandidatenkonstellation kommt die Politikerin des Rassemblement National im ersten Wahlgang auf 34 bis 38 Prozent der Stimmen.
Die Erhebung wurde im Auftrag der Fernsehsender LCI und Sud Radio sowie der Zeitung »Le Figaro« erstellt. Im Vergleich zu einer vorherigen Ifop-Umfrage gewann Le Pen in vergleichbaren Szenarien ein bis zwei Prozentpunkte.
Die Wahl findet im kommenden Frühjahr statt. Im ersten Wahlgang treten alle Kandidaten an. Erreicht niemand die absolute Mehrheit, kommt es zu einer Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten.
Eine bereits vor den Ausschreitungen veröffentlichte Umfrage des Instituts Odoxa hatte Le Pen je nach Konstellation ebenfalls bei 38 Prozent gesehen. Damit lag sie deutlich vor den anderen Kandidaten. In Erhebungen anderer Institute war sie zuletzt teilweise auf 31 bis 33 Prozent gekommen.
Le Pen hatte nach den Unruhen bei den Sozialprotesten am Wochenende ein härteres Vorgehen der Behörden gefordert. Sie sprach von einer tiefgreifenden Vertrauens- und Autoritätskrise. Für die Ausschreitungen machte sie die Regierung von Präsident Emmanuel Macron und die Einwanderungspolitik verantwortlich.
Ob die Unruhen den leichten Zuwachs in der aktuellen Umfrage ausgelöst haben, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Nach den vorliegenden Angaben wurden in der Erhebung keine Fragen zu den Ausschreitungen gestellt.
In der Ifop-Umfrage liegt der Anführer der französischen Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, im ersten Wahlgang auf dem zweiten Platz. Je nach Kandidatenkonstellation erreicht er 15 bis 20 Prozent. Dahinter folgen der Sozialisten-Bewerber Raphaël Glucksmann und der Mitte-Politiker Édouard Philippe mit ähnlich starken Werten. Amtsinhaber Macron kann nicht erneut antreten.
Für die zweite Wahlrunde sieht die Ifop-Erhebung Le Pen in sämtlichen abgefragten Szenarien vorn – unabhängig davon, wer gegen sie antritt. Welche politischen Lager letztlich mit welchen Kandidaten in den Wahlkampf ziehen, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Bislang haben sich nur die Linkspartei und die Sozialisten klarer positioniert.
Unklar ist zudem, ob Le Pen wegen ihrer Verurteilung wegen der Veruntreuung von EU-Geldern am Wahlkampf teilnehmen kann. Das Urteil war im Juli von einem Berufungsgericht bestätigt worden. Le Pen hat Revision eingelegt. Sollte das Kassationsgericht schnell entscheiden, ist laut dem Bericht nicht ausgeschlossen, dass die 58-Jährige während des Wahlkampfs eine Fußfessel tragen muss.

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