GKV-Spitzenverband will Ausmaß von Abrechnungsbetrug genauer erfassen

Die gesetzlichen Krankenkassen wollen entschiedener gegen Betrug und anderes Fehlverhalten im deutschen Gesundheitswesen vorgehen. Der GKV-Spitzenverband hat deshalb eine eigene Studie in Auftrag gegeben, die das bisher nicht erfasste Ausmaß der Schäden genauer bestimmen soll.

Die Untersuchung läuft seit Anfang Oktober. Sie soll Erkenntnisse darüber liefern, wie groß die Wirtschaftskriminalität im Gesundheitswesen tatsächlich ist. Nach Angaben des Kassenverbands werden entsprechende Daten bislang weder in der offiziellen Kriminalstatistik noch in den Zahlen der gesetzlichen Krankenversicherung systematisch erfasst.

Martin Krasney, Vorstand des GKV-Spitzenverbands, sagte, man wolle genau wissen, wie hoch die Schäden durch Fehlverhalten in Deutschland seien. Nach Einschätzung der Krankenkassen könnte die Schadenssumme im zweistelligen Milliardenbereich liegen.

Als Grundlage für diese Vermutung verweist Krasney auf Studien aus anderen Ländern. Diese beziffern das sogenannte Dunkelfeld demnach auf fünf bis zehn Prozent der jeweiligen Leistungsausgaben im Gesundheitswesen. Übertragen auf Deutschland ergäbe sich daraus ein Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe.

Konkrete Schäden werden bereits seit Jahren von den Fehlverhaltensstellen der Kranken- und Pflegekassen aufgedeckt. Nach den regelmäßig veröffentlichten Ergebnissen liegen die nachgewiesenen Schäden jährlich im dreistelligen Millionenbereich.

Der Kassenverband geht jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Bekannt sei bislang vor allem das sogenannte Hellfeld. Je intensiver kontrolliert werde, desto mehr Fälle würden auch entdeckt, heißt es von den Krankenkassen.

Über eine umfassende Untersuchung zu Falschabrechnungen hatten Politik und Krankenkassen bereits seit Jahren beraten. Eine solche Erhebung war bislang jedoch nicht in Auftrag gegeben worden. Mit der eigenen Studie will der Verband nun belastbarere Informationen über das Ausmaß des Problems gewinnen.

Nach Angaben der Krankenkassen sollen außerdem Künstliche Intelligenz und weitere technische Möglichkeiten künftig verstärkt eingesetzt werden dürfen, um kriminelle Machenschaften im Gesundheitswesen besser aufzudecken. Der Verband begründet den verstärkten Kampf gegen Fehlverhalten auch damit, dass veruntreute Beitragsgelder für die medizinische und pflegerische Versorgung fehlen.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert