Französische Behörden haben weltweit erstmals einen Nachweis des Shamonda-Virus bei einem Menschen gemeldet. Der betroffene Patient starb Anfang Oktober in einem Krankenhaus in Lyon.
Nach Angaben des französischen Gesundheits- und Landwirtschaftsministeriums litt der Mann unter einer besonderen Immunschwäche und war wegen einer schweren Erkrankung im Krankenhaus behandelt worden. Die Ministerien bezeichneten den Fall als Ausnahmefall bei einem Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem.
Für die Allgemeinbevölkerung bestehe nach aktuellem Kenntnisstand kein Gesundheitsrisiko, erklärten die Behörden. Das Virus wird durch Stechmücken übertragen und war bislang nur bei Nutztieren nachgewiesen worden.
Das Shamonda-Virus zirkuliert den Angaben zufolge seit Jahrzehnten in Afrika und Asien. Seit Kurzem tritt es auch in Europa auf. Ein Fall beim Menschen war bisher nicht dokumentiert worden.
Auch in Deutschland wurde das Virus bei Rindern nachgewiesen. Nach Angaben von Martin Beer, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts bei Greifswald, gibt es Nachweise in nahezu allen Teilen des Landes. Aus Mecklenburg-Vorpommern und den Stadtstaaten seien bislang keine Fälle bekannt. Tausende Betriebe seien betroffen.
Die Infektion ist laut Beer nicht meldepflichtig. Viele Tiere zeigten keine oder nur milde Symptome. Möglich seien unter anderem Fieber, ein zeitweiser Rückgang der Milchleistung und Durchfall.
Welche Folgen das Virus für trächtige Tiere haben kann, soll sich nach Einschätzung des Veterinärs erst in den kommenden Monaten zeigen. Dabei geht es insbesondere um mögliche Fehlgeburten und Fehlbildungen beim Nachwuchs. Beer verwies in diesem Zusammenhang auf das verwandte Schmallenberg-Virus, das bei Schafen in bestimmten Phasen der Trächtigkeit zu missgebildeten Föten geführt habe.
Direkte Auswirkungen auf Menschen und Verbraucher sieht Beer derzeit nicht. Auch von Erzeugnissen wie Milch gehe nach seiner Einschätzung keine Gefahr aus.
Einen Impfstoff gegen das Shamonda-Virus gibt es bislang nicht. Ob Unternehmen einen solchen entwickeln, hängt laut Beer auch davon ab, welchen Schaden das Virus letztlich verursacht.

Schreibe einen Kommentar