Der SPIEGEL stellt einen neuen Zugang zu seiner digitalisierten NSDAP-Mitgliederkartei bereit. Über einen Chatbot können Nutzerinnen und Nutzer künftig nach Personen suchen, Fragen zu möglichen Parteimitgliedschaften stellen und historische Originalkarten im Chat anzeigen lassen.
Technisch umgesetzt wird das Angebot über einen sogenannten Model-Context-Protocol-Server (MCP-Server). Die Schnittstelle kann mit ChatGPT, Claude oder anderen KI-Assistenten genutzt werden. Voraussetzung ist ein SPIEGEL-Account.
Nach Angaben des SPIEGEL haben in den vergangenen Monaten bereits Hunderttausende Leserinnen und Leser mit dem digitalen Recherchewerkzeug in der Kartei recherchiert. Dazu gingen Tausende Zuschriften ein. Nun sollen die Daten zusätzlich über einen Dialog mit einem Chatbot zugänglich sein.
Das System beschränkt sich nicht auf die Suche nach Namen. Es kann auch Hintergrundinformationen aus Dutzenden SPIEGEL-Artikeln zur NSDAP-Mitgliederkartei einbeziehen. Nutzer können unter anderem nach der Bedeutung bestimmter Vermerke auf den Karteikarten fragen oder danach, wie zuverlässig die historischen Unterlagen sind.
Außerdem soll der Chatbot dabei helfen, historische Funde einzuordnen. Dazu gehört auch die Frage, welche Rückschlüsse sich aus einer möglichen Parteimitgliedschaft über eine Person ziehen lassen.
Der SPIEGEL weist zugleich auf mögliche Fehler hin. Sowohl bei der automatisierten Erfassung der historischen Karteikarten als auch bei der Interpretation durch Sprachmodelle könne es zu Ungenauigkeiten kommen. Die Antworten sollten deshalb nur als Ausgangspunkt für weitere Recherchen dienen.
Angaben sollen anhand der Originaldokumente überprüft werden. Besonders bei historischen und biografischen Schlussfolgerungen sei Vorsicht geboten.
Die digitale NSDAP-Mitgliederkartei des SPIEGEL ist außerdem für den Grimme Online Award nominiert. Über den Publikumspreis wird unabhängig von der Juryentscheidung durch eine Abstimmung entschieden.

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