Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren steht im Zentrum des Streits zwischen Union und SPD. Die sogenannte „Rente mit 63“ ist beliebt, könnte nach den Plänen für eine Rentenreform aber in ihrer bisherigen Form abgeschafft werden.
Vollständig korrekt ist die Bezeichnung allerdings nicht mehr. Das Renteneintrittsalter steigt schrittweise auf 67 Jahre. Für Menschen, die 1964 oder später geboren wurden, liegt das Alter für eine abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren bereits bei 65 Jahren.
Ein zentraler Streitpunkt sind die Kosten. Rund 30 Prozent eines Jahrgangs wechseln laut dem vorliegenden Material vorzeitig und ohne Abschläge in den Ruhestand. Die Rentenkasse wird dadurch jährlich mit 6,5 bis 10 Milliarden Euro belastet. Die niedrigere Schätzung stammt von der Rentenkommission, die höhere vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).
Über zehn Jahre summieren sich die genannten Beträge demnach auf 65 bis 100 Milliarden Euro. Finanziert werden diese Ausgaben letztlich von den Steuerzahlern. Der Zuschuss aus dem Bundeshaushalt zur gesetzlichen Rentenversicherung beträgt in diesem Jahr knapp 128 Milliarden Euro.
Auch die Frage, wer von der Regelung profitiert, sorgt für Diskussionen. Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft kommt dem Material zufolge zu dem Ergebnis, dass Geringverdiener nur selten vorzeitig in Rente gehen. Im untersten Einkommensfünftel lag der Anteil bei fünf Prozent. In höheren Einkommensgruppen waren es dagegen mehr als 30 Prozent.
Damit kommt die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren vor allem Menschen mit höheren Einkommen zugute. Das stellt die Vorstellung infrage, die Regelung sei in erster Linie eine soziale Hilfe für Beschäftigte in körperlich besonders belastenden Berufen.
Nach den Plänen der Rentenreform soll die abschlagsfreie Rente jedoch nicht vollständig wegfallen. Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht länger arbeiten können, sollen sie weiterhin in Anspruch nehmen dürfen.
Die Union pocht laut dem Material auf die Reform, während die SPD inzwischen zurückhaltender auftritt. Die Rentenkommission hatte im Sommer vorgeschlagen, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen. In der weiteren Debatte könnten demnach Sonderregelungen für besonders körperlich oder psychisch belastende Berufe sowie mögliche Zuschüsse eine Rolle spielen.

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