Vor dem Landgericht Trier hat der Prozess gegen einen 19-Jährigen begonnen, dem die Staatsanwaltschaft den dreifachen Mord an Angehörigen auf den Kapverden vorwirft. Die Tat soll sich kurz vor Heiligabend in einem Apartment auf der Insel São Vicente ereignet haben.
Bei den Getöteten handelt es sich um Laura (20), ihre Mutter Ewa (50) und deren Lebensgefährten Patric H. (58). Patric H. hatte seinen Sohn aus erster Ehe, Kian H. (19), zu dem gemeinsamen Weihnachtsurlaub eingeladen. Die Reisegruppe war knapp eine Woche vor der mutmaßlichen Tat aufgebrochen.
Am 24. Dezember 2025 fanden Ermittler in dem Luxusapartment die drei Leichen. Nach den Angaben im Prozess wiesen alle Opfer tödliche Verletzungen am Hals auf. Blutspuren in den Räumen und weitere Spuren deuteten auf einen heftigen Kampf hin.
Nach Darstellung der Anklage soll Kian H. zunächst seine schlafende Stiefschwester Laura in ihrem Zimmer angegriffen haben. Durch die Geräusche sei anschließend sein Vater aufgewacht. Zwischen den beiden soll es zu einem Kampf gekommen sein, bei dem auch der Angeklagte verletzt worden sein soll. Danach soll er zunächst seinen Vater und anschließend dessen Lebensgefährtin mit Messerstichen getötet haben.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Ewa während des Angriffs eine Nachricht an Angehörige schrieb. Darin soll sie gewarnt haben: „Der bringt uns hier alle um!“ Die Angehörigen hätten anschließend vergeblich versucht, die Familie zu erreichen, und schließlich die Polizei alarmiert.
Nach der mutmaßlichen Tat soll Kian H. zum Flughafen gefahren und nach Lissabon geflogen sein. Laut Ermittlern hatte er bereits zuvor einen Rückflug gebucht. In der portugiesischen Hauptstadt wurde er aufgrund eines Haftbefehls festgenommen und später nach Deutschland ausgeliefert.
Zum Prozessauftakt äußerte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger Harry Völker erklärte, er habe keine Erklärung für die mutmaßliche Tat. Kian H. habe einen unauffälligen Lebensweg und ein distanziertes, aber gutes Verhältnis zu seinem Vater gehabt. „Er ist ein ganz normaler Junge“, sagte der Anwalt.
Oberstaatsanwalt Eric Samel erklärte, es gebe mehrere Hinweise, die für die Täterschaft des 19-Jährigen sprächen. Die Zusammenarbeit mit den Behörden auf den Kapverden habe funktioniert. Das Motiv sei bislang jedoch unklar. Der Prozess soll bis zum 2. Dezember fortgeführt werden.

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