Hackerangriff auf AfD legt Hunderttausende E-Mails und interne Daten offen

Ein nach einem Hackerangriff veröffentlichter Datensatz gibt Einblicke in das interne Geschehen der AfD. Nach einer Analyse von RTL/ntv umfasst die Sammlung 421.326 E-Mails mit einer Gesamtgröße von rund 209 Gigabyte. Hinzu kommen 48.725 Dokumente und 39.145 Bilder.

Betroffen sind unter anderem die Postfächer der AfD-Bundesgeschäftsstelle in Berlin, des Bundesschiedsgerichts und des Parteischiedsgerichts in Nordrhein-Westfalen. Auch persönliche Konten wurden nach den vorliegenden Informationen kopiert. Dazu zählen die Postfächer der Co-Parteivorsitzenden Alice Weidel, des früheren Co-Parteivorsitzenden Alexander Gauland, des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2026 in Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm, sowie des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Markus Frohnmaier.

Die E-Mails reichen bis ins Jahr 2014 zurück. Das jüngste Schriftstück stammt aus dem September dieses Jahres. Neben Presseschauen, Nachrichten von Mitgliedern und Spam finden sich demnach auch interne Korrespondenzen von AfD-Vertretern.

Ein Teil der ausgewerteten Nachrichten befasst sich mit dem Umgang der Partei mit einer Rede Björn Höckes aus dem Jahr 2017. In der mutmaßlich von AfD-Spitzenvertretern stammenden Korrespondenz wurde demnach auch über ein Parteiausschlussverfahren gegen den Thüringer Politiker gesprochen. Dabei ging es unter anderem um ein Rechtsgutachten und die kurze Frist bis zu einer Entscheidung. Der AfD-Bundesvorstand beschloss am folgenden Tag, ein Verfahren einzuleiten. Es scheiterte im Mai 2018.

Der Datensatz enthält außerdem personenbezogene Informationen. Dazu gehören laut der Auswertung Aufnahmeanträge mit Wohnadressen, Telefonnummern und Bankverbindungen. Auch Listen mit Daten von Mitgliedern des AfD-Landesverbands Nordrhein-Westfalen sowie ein Telefonverzeichnis der Bundesgeschäftsstelle seien öffentlich zugänglich geworden.

Die AfD kritisiert die Veröffentlichung und Auswertung scharf. Die Partei erklärte, ihre Daten seien illegal kopiert worden und dies sei eine Straftat. Zudem verwies sie auf mögliche Verletzungen des Persönlichkeitsrechts. Nach Angaben der AfD seien bereits mehrere bedenkliche Fälschungen entdeckt worden. Welche E-Mails oder Dokumente betroffen sein sollen, führte die Partei nicht aus.

Die AfD kündigte juristische Schritte gegen die Angreifer an. Sie wolle mit staatlichen Stellen auf Bundes- und Landesebene zusammenarbeiten, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Die mutmaßlichen Hacker erklärten gegenüber dem Onlineportal „International Cyber Digest“, sie hätten die Server der Partei zerstören können. Ihr Ziel sei es jedoch gewesen, die AfD offenzulegen. Gegenüber Lilith Wittmann und dem Aktivisten Hoodinformatik machten sie weitere Angaben zu ihrem Vorgehen. Nach eigener Darstellung gelang der Zugang über eine schlecht geschützte WordPress-Instanz der parteieigenen Alternita GmbH. Über dort installierte Software hätten sie anschließend auf E-Mail-Postfächer zugreifen können.

Der Angriff wurde offenbar erstmals am 9. September bemerkt. Nach Angaben der Hacker konnten sie am 14. September mithilfe unentdeckt gebliebener Schadsoftware erneut Daten kopieren. Die veröffentlichten Informationen waren zunächst nur über einen Index auffindbar, der die Dokumente in Schlagworten zusammenfasste. Eine vollständige Prüfung war erst nach dem Herunterladen der Dateien möglich. Die Auswertung des gesamten Datensatzes dürfte mehrere Wochen dauern.


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