Maria Kittl aus Österreich klettert auch mit 94 Jahren noch mehrmals pro Woche in steilen Felswänden. Ihr Ziel steht bereits fest: Zu ihrem 100. Geburtstag will sie nicht nur an einer Wand stehen, sondern selbst hinaufklettern.
Die Seniorin klettert besonders häufig an der „Ewigen Wand“ bei Bad Goisern. Der Kletterort ist leicht erreichbar und kommt ihr entgegen, da ihr Herz laut dem Bericht nur noch rund 30 Prozent Leistung bringt. Von ihrem Alter und ihrer gesundheitlichen Einschränkung lässt sich Kittl jedoch nicht bremsen.
Für ihre körperliche Fitness trainiert sie täglich. Ihr Morgen beginnt mit Gymnastik auf der Matte. Außerdem absolviert sie Krafttraining, turnt regelmäßig in einem Verein und klettert bei schlechtem Wetter in der Halle.
„Das Klettern ist mein Lebenselixier“, sagt Kittl. Die Leidenschaft halte nicht nur ihren Körper fit, sondern auch ihren Geist. Beim Klettern müsse sie hochkonzentriert sein, da jeder Fehler ihr letzter sein könnte.
Kittl blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Sie erlebte Armut und Krieg, überstand eine Krebserkrankung und einen Schlaganfall. Zudem musste sie den frühen Tod ihres Sohnes und später den Verlust ihres Mannes Robert verkraften. Mit ihm hatte sie viele Stunden in den Bergen verbracht.
Bereits in den 1960er-Jahren suchte sie gemeinsam mit ihrem Mann, der Bergführer war, schwierige Routen im Alpenraum. Von den Dolomiten bis ins Gesäuse bewältigte das Paar zahlreiche sogenannte Damen-Erstbegehungen. Dabei kletterte Kittl Routen, die zuvor noch keine Frau geschafft hatte.
Später legte sie eine jahrzehntelange Pause vom Klettern ein und widmete sich dem Reitsport. Nach dem Tod ihres Mannes begann sie im Alter von fast 80 Jahren erneut mit dem Klettern. Sie lernte moderne Techniken, gewöhnte sich an neues Material und kehrte Schritt für Schritt an die Felsen zurück.
Inzwischen kommt sie auf weit über hundert Klettertage im Jahr, manchmal sogar auf mehr als 200 Touren. Über ihr Leben und ihre Leidenschaft ist außerdem das Buch „Mit fast 100 durch die Wand“ erschienen.
Menschen, die sich für ihre Träume zu alt fühlen, gibt Kittl einen einfachen Rat: „Es ist nie zu spät, seine Leidenschaft zu leben.“

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