Cornell-Studentin wirft Präsident Kotlikoff mangelnde Unterstützung vor

Eine ehemalige Studentin der Cornell University wirft Universitätspräsident Michael Kotlikoff vor, ihre Schilderungen eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffs nicht angemessen unterstützt zu haben. Die Frau tritt unter dem Pseudonym „Jane Doe“ auf. Die Universität weist ihre Darstellung zurück.

Nach Angaben der „New York Times“, aus denen die Zeitung zitiert, schilderte die Frau in einem Brief an mehrere Fakultätsleitungen ein Gespräch aus dem Januar 2025. Anlass für den Brief seien Beratungen des Universitätssenats über ein mögliches Misstrauensvotum gegen Kotlikoff gewesen.

Bei dem Treffen im Januar soll es ursprünglich um ein anderes Thema gegangen sein. Dabei sei jedoch auch der Vorfall vom Oktober 2024 angesprochen worden. Anwesend waren demnach Vertreterinnen mehrerer studentischer Frauenverbindungen, Kotlikoff und mindestens eine weitere Person aus der Hochschulverwaltung.

„Jane Doe“ gibt an, eine Vertrauensperson habe ihr später von Kotlikoffs erster Reaktion berichtet. Demnach soll er sinngemäß gefragt haben, warum die Betroffene so lange mit der Meldung gewartet habe. Der mutmaßliche Übergriff soll sich in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober ereignet haben. Am 8. November erstattete die Frau Anzeige bei der Campuspolizei.

Die Präsidentin ihrer Schwesternschaft habe das Gespräch später als besorgniserregend beschrieben, schreibt „Jane Doe“ weiter. Sie selbst habe Kotlikoffs Frage als Zweifel an der Richtigkeit ihrer Geschichte verstanden. Dadurch sei ihr Vertrauen in die Fähigkeit der Hochschulleitung gesunken, mit ihrer Erfahrung verständnisvoll, sensibel und fair umzugehen.

Die Cornell University wies die Vorwürfe auf Anfrage der „New York Times“ zurück. Die Darstellung aus zweiter Hand sei falsch. Kotlikoff habe sich zwar zu dem Thema geäußert, seine Frage aber nicht auf das Verhalten von „Jane Doe“ bezogen.

Nach Angaben der Universität richtete sich die Frage an Personen, die eine anonyme Hinweis-Hotline der Cornell University nicht genutzt hätten, obwohl in sozialen Medien weiterhin über den Vorfall berichtet worden sei. Kotlikoff habe die Aussage der Frau nicht infrage gestellt.

Im Zentrum des Falls stehen die Vorwürfe, dass „Jane Doe“ im Oktober 2024 im Haus einer Verbindung von mehreren Männern vergewaltigt worden sei. Die Universität verbot die Verbindung und verwies einige Beteiligte der Hochschule. Strafrechtliche Konsequenzen gab es zunächst nicht. Nach einer neuen Zivilklage wird der Fall erneut untersucht.

Der Universitätssenat soll zudem am 28. Oktober über ein mögliches Misstrauensvotum gegen Kotlikoff beraten. Die Aussagen der Studentin und der beschuldigten Männer widersprechen sich nach den vorliegenden Angaben deutlich. Eine Sonderstaatsanwältin ermittelt in dem Fall.


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