Russland hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Kiew und das Umland erneut mit Raketen und Drohnen angegriffen. In mehreren Wellen seien in der vergangenen Nacht 16 ballistische Raketen und mehr als 200 Drohnen eingesetzt worden.
Selenskyj erklärte, die Angriffe hätten sich gegen mehr als zehn Energieanlagen in Kiew und der umliegenden Region gerichtet. Rund 550.000 Haushalte seien ohne Strom geblieben. Nach Angaben örtlicher Behörden wurde in der Hauptstadt mindestens ein Mensch getötet, mehrere weitere wurden verletzt.
Beschädigt wurde den Behörden zufolge auch eine U-Bahn-Station. Zudem gab es Schäden an Schulen, einer Arztpraxis und einer Sportstätte. In einem 25-stöckigen Hochhaus brach ein Feuer aus.
Selenskyj beklagte erneut, dass es keine frühzeitige Warnung westlicher Partner gegeben habe. Seine Äußerungen stehen im Zusammenhang mit einem Streit über die Weitergabe westlicher Geheimdienstinformationen an die Ukraine.
Der ukrainische Präsident hatte zuvor erklärt, Washington habe die Lieferung solcher Informationen nach einer mehrtägigen Unterbrechung wieder aufgenommen. Die ukrainische Armee habe während dreier Tage mit ballistischen Raketenangriffen keinen Zugriff auf US-Geheimdienstinformationen gehabt.
US-Außenminister Marco Rubio widersprach dieser Darstellung. Bei einem Besuch in Usbekistan sagte er, es habe keine Pause bei der Weitergabe der Informationen gegeben. Zugleich forderte Rubio Selenskyj auf, sich auf ein Ende des Krieges zu konzentrieren.
Auch die südostukrainische Industriestadt Krywyj Rih wurde nach ukrainischen Angaben angegriffen. Der Militärgouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, teilte mit, mindestens zwei Menschen seien getötet und sieben verletzt worden. Der Angriff habe einem nicht näher bezeichneten Industrieunternehmen gegolten.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Ziel sei unter anderem ein Rechen- und ein Logistikzentrum des Rüstungsunternehmens Fire Point gewesen. Dort seien Bauteile für Drohnen und Marschflugkörper des Typs Flamingo gelagert worden.
Selenskyj sprach außerdem mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über die Lieferung von Patriot-Flugabwehrsystemen. Die Ukraine ist bei der Abwehr oder Vorbereitung auf Angriffe mit schnellen ballistischen Raketen aus Russland auf Informationen eines US-Frühwarnsystems angewiesen.
Unterdessen erklärte Rubio, der Zugang der Ukraine zum Starlink-Satellitennetz sei wiederhergestellt. Zu den zuvor gemeldeten Problemen bei der Nutzung sagte er, er wisse nicht, wodurch sie verursacht worden seien.

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