Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will den schleppenden Aufbau des Wasserstoffmarktes in Deutschland mit einem umfangreichen Förderpaket beschleunigen. Ihr Ministerium stellte in Berlin zehn Maßnahmen vor, die unter anderem Industriehilfen, neue Kraftwerksausschreibungen und Anreize für klimafreundlichen Stahl vorsehen.
Kern des Pakets ist eine Förderung von mindestens 1,5 Milliarden Euro für Industrieunternehmen, die ihre Produktion auf Wasserstoff umstellen. In der nächsten Ausschreibungsrunde 2027 soll dafür erstmals ein eigenes Förderbudget reserviert werden. Bei hoher Nachfrage könnte das Volumen nach Angaben des Ministeriums aufgestockt werden.
Die zusätzlichen Hilfen sollen über sogenannte CO2-Differenzverträge vergeben werden. Dabei gleicht der Staat über einen Zeitraum von 15 Jahren Mehrkosten aus, die Unternehmen durch die Umstellung auf klimafreundliche Produktionsverfahren entstehen.
Nach Angaben des Ministeriums kommt der Wasserstoffmarkt langsamer voran als bisher erwartet. Grund dafür seien unter anderem die weiterhin deutlich höheren Produktionskosten im Vergleich zu fossilen Alternativen.
Auch die Umrüstung von Gaskraftwerken auf Wasserstoff soll unterstützt werden. Geplant ist eine Förderung für Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von vier Gigawatt. Zunächst sollen 2027 Ausschreibungen für zwei Gigawatt starten. Diese Anlagen sollen ab 2040 mit Wasserstoff betrieben werden. Weitere zwei Gigawatt sollen zwischen 2030 und 2032 ausgeschrieben und ab 2043 umgestellt werden.
Der Staat soll dabei die wirtschaftliche Lücke ausgleichen, die durch die Kosten der Umrüstung und den teureren Betrieb im Vergleich zu Erdgas entsteht. Die Einzelheiten werden nach Angaben des Ministeriums noch ausgearbeitet.
Um die Nachfrage nach Wasserstoff zu erhöhen, will das Ministerium außerdem einen Leitmarkt für klimafreundlich produzierten Stahl schaffen. Bei neuen Ausschreibungen für Offshore-Windparks soll künftig der CO2-Fußabdruck der Anlagen berücksichtigt werden. Dadurch soll Stahl begünstigt werden, der mit erneuerbarem oder kohlenstoffarmem Wasserstoff hergestellt wurde.
Auch bei der öffentlichen Beschaffung von Stahl und Zement strebt die Bundesregierung entsprechende Vorgaben an. Gleichzeitig setzt das Ministerium auf günstigere Bedingungen für die Wasserstoffproduktion. Dazu gehören eine pragmatische Anpassung europäischer Vorgaben und günstige Netzentgelte für Elektrolyseure.
Für bereits weit fortgeschrittene Elektrolyseprojekte, die bis August 2029 in Betrieb gehen, soll die bisherige Befreiung von Stromnetzentgelten fortgelten.
Ein weiterer Schwerpunkt des Pakets ist der Ausbau der Infrastruktur. Nach Angaben des Ministeriums sind 2025 bereits mehr als 500 Kilometer des Wasserstoff-Kernnetzes in Betrieb gegangen. Weitere 2.200 Kilometer befinden sich demnach in der Realisierung. Bund und Länder wollen dafür in den kommenden Jahren insgesamt 4,2 Milliarden Euro bereitstellen.
Zusätzlich setzt die Bundesregierung auf Wasserstoffimporte über Pipelines aus Europa sowie per Schiff aus anderen Weltregionen. Dabei soll auch kohlenstoffarmer Wasserstoff stärker berücksichtigt werden.

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