Eine Untersuchung von neun bekannten KI-Chatbots zeigt erhebliche Datenschutzrisiken. Demnach leiten alle untersuchten Dienste Daten an Werbe- und Trackingdienste weiter. In einigen Fällen können neben Fragen und Gesprächszusammenfassungen sogar Screenshots von Unterhaltungen betroffen sein.
Viele Menschen nutzen KI-Chatbots für persönliche Themen wie Gesundheit, Beziehungen, Finanzfragen oder seelische Probleme. Die Untersuchung legt jedoch nahe, dass solche Gespräche nicht immer so vertraulich bleiben, wie Nutzerinnen und Nutzer annehmen könnten.
Untersucht wurden die Webversionen und Android-Apps von ChatGPT, Claude, Copilot, Deepseek, Gemini, Grok, Le Chat, Meta AI und Perplexity. Le Chat wurde inzwischen in Mistral Vibe umbenannt. In jedem der untersuchten Chatbots war mindestens ein Tracker aktiv. Besonders viele Tracker stellten die Forscher beim Chatbot Grok fest.
Die Untersuchung wurde von einem Institut des spanischen Forschungsnetzwerks IMDEA durchgeführt. Der Ergebnisbericht liegt bislang als vorläufiger Preprint vor und muss noch das übliche wissenschaftliche Peer-Review-Verfahren durchlaufen.
Mehrere Chatbots übermittelten der Studie zufolge nicht nur Gesprächsinhalte an Dritte. Auch Informationen, mit denen Nutzer über mehrere Plattformen hinweg identifiziert werden können, waren betroffen. Dadurch könnten Chatbot-Nutzungen in Profile einfließen, die Werbetreibende für gezielte Anzeigen verwenden. Als Beispiel wird genannt, dass Meta in Grok-Chats erkennen kann, ob ein Nutzer bei Facebook oder Instagram registriert ist.
Besonders problematisch kann das Teilen von Chatverläufen per Link sein. Der erzeugte Freigabe-Link kann ebenfalls mit Werbe- und Trackingdiensten geteilt werden. Bei Grok konnten Forscher nach dem Teilen eines Chats beobachten, dass TikTok Screenshots der Unterhaltung anfertigen konnte. Insgesamt registrierten sie Zugriffe von mehr als 70 unterschiedlichen Internetadressen aus 14 Ländern. Teilweise erfolgten diese Zugriffe noch mehrere Tage nach der Erstellung des Links.
Die Möglichkeiten, das Tracking zu verhindern, sind laut Untersuchung begrenzt. In Browsern können Nutzer meist nicht notwendige Cookies ablehnen. Dennoch stellten Perplexity, DeepSeek, Gemini, Copilot, ChatGPT und Claude auch bei abgelehnten Cookies Verbindungen zu Google Ads her. In den Android-Apps gab es den Forschern zufolge keine vergleichbare Möglichkeit. Mit der Installation akzeptierten Nutzer dort die Nutzungsbedingungen der Anbieter.
Auch kostenpflichtige Abonnements bieten demnach nicht automatisch mehr Datenschutz. Mit Ausnahme von Claude stellte die Studie keine wesentlichen Unterschiede beim Datensendeverhalten zwischen kostenlosen und kostenpflichtigen Tarifen fest.
Wer Chatbots im Browser nutzt, sollte im Cookie-Banner nur notwendige Cookies zulassen oder alle nicht erforderlichen Cookies ablehnen. Zusätzlich können ein anonymes Browserfenster, datenschutzfreundliche Browser wie Brave oder Firefox sowie Tracker-Blocker wie uBlock Origin den Schutz verbessern.
Vertrauliche Angaben sollten möglichst nicht in Chatbots eingegeben werden. Dazu zählen etwa Finanzinformationen oder medizinische Diagnosen. Hochgeladene Dokumente sollten vorab um Angaben wie Konto- oder Krankenversicherungsnummern bereinigt werden. Falls ein Dienst einen Inkognito- oder temporären Modus anbietet, kann dieser genutzt werden.
Vom Teilen von Chats per Link rät die Untersuchung möglichst ab. Falls ein solcher Link erstellt wird, sollten Nutzer prüfen, ob sich der Zugriff beschränken lässt, und ihn anschließend wieder löschen.
Bei Smartphone-Apps empfiehlt es sich außerdem, nur die unbedingt erforderlichen Berechtigungen zu erteilen. Auf dem iPhone lässt sich unter „Datenschutz & Sicherheit“ und „Tracking“ prüfen, ob Apps Tracking anfordern dürfen. Bei Android-Geräten kann die Werbe-ID in den Datenschutz- und Werbeeinstellungen regelmäßig zurückgesetzt oder vollständig gelöscht werden.
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