Vor dem Landgericht Arnsberg hat der Prozess um die mutmaßliche Misshandlung einer wohnungslosen Frau in Soest begonnen. Vier Beschuldigte müssen sich unter anderem wegen Körperverletzung, Vergewaltigung, Nötigung und Freiheitsberaubung verantworten. Unter ihnen sind zwei Jugendliche.
Nach den Vorwürfen soll die Frau zwischen Juli und November 2025 wiederholt in ein Reihenhaus gelockt worden sein. Als Aussicht auf Essen und eine Übernachtungsmöglichkeit soll sie das Haus eines 29-jährigen Angeklagten aufgesucht haben. Dort sei sie über Monate hinweg geschlagen, gedemütigt, misshandelt und vergewaltigt worden.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten außerdem vor, die Frau mit Gegenständen verletzt und mehrfach gefesselt zu haben. Sie habe unter anderem mit verschmutzter Unterwäsche im Mund auf einem Tisch tanzen müssen. Zudem soll sie mit einer benutzten Toilettenbürste gequält und mit einem Hochdruckreiniger schwer verletzt worden sein.
In einem Fall soll ein 25-jähriger Angeklagter die Frau im Kinderzimmer vergewaltigt haben, während der 29-Jährige filmte. Außerdem sei sie zweimal für mindestens eine Stunde im Keller an ein Heizungsrohr gefesselt worden.
Besonders schwer wiegt der Vorwurf gegen den 29-Jährigen und den 17-jährigen Angeklagten im Zusammenhang mit einem Vorfall Anfang November. Die Frau soll mit Handschellen teilweise entkleidet an einem Balken auf der Terrasse befestigt worden sein. Ihre Füße hätten dabei gerade den Boden berührt. Bis zu ihrer Befreiung durch die Polizei habe sie mehrere Stunden in der Kälte ausharren müssen und schwere Erfrierungen erlitten. Sie wurde anschließend lange intensivmedizinisch behandelt.
Ein Anwohner hatte die Frau spätabends auf der Terrasse gesehen und die Polizei alarmiert. Sie tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf, erschien zum Prozessauftakt jedoch nicht. Nach Angaben ihrer Anwältin ist sie derzeit nicht reisefähig.
Überraschend teilte das Gericht zu Beginn mit, dass inzwischen gegen weitere Personen ermittelt wird. Nach Angaben des Richters erhielt die Polizei erst vor einigen Wochen umfangreiches Videomaterial, aus dem sich weitere Tatvorwürfe ergeben sollen.
Zu den neuen Beschuldigten gehört demnach die damalige Lebensgefährtin des 29-Jährigen. Sie sitzt seit Ende September in Untersuchungshaft. Gegen sie werde wegen mehrerer Körperverletzungs- und Nötigungsdelikte ermittelt, sagte die Staatsanwaltschaft. Weitere Einzelheiten zu den anderen Verdächtigen nannte sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.
Die beiden erwachsenen Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft und wurden in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Dem 16-jährigen Angeklagten wird nach den bisherigen Angaben lediglich ein Fall von Nötigung vorgeworfen. Alle vier Angeklagten sind Deutsche. Der 29-Jährige besitzt zusätzlich die kroatische Staatsangehörigkeit und war als Krankenpfleger tätig.
Verhandelt wird vor einer Jugendkammer. Der Prozess ist trotz der beiden minderjährigen Angeklagten öffentlich, weil das Gericht ein erhebliches öffentliches Informationsinteresse sieht. Aussagen der Jugendlichen könnten nach Angaben des Richters teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.
Die Verteidiger aller vier Angeklagten stimmten einem Rechtsgespräch zu. Dabei soll mit Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung geklärt werden, ob und in welchem Umfang Geständnisse zu erwarten sind. Über die Inhalte soll bei der nächsten Verhandlung am 2. November informiert werden. Insgesamt sind zwölf weitere Prozesstermine bis zum 17. Dezember geplant.

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