Fast jede zweite professionelle Fußballspielerin erwägt einer neuen Studie zufolge, ihre Karriere vorzeitig zu beenden. In einer Umfrage der Fußballergewerkschaft Fifpro gaben 49 Prozent der Befragten an, über diesen Schritt nachzudenken.
Als häufigste Gründe nannte die betroffene Gruppe finanzielle Belastungen und psychischen Stress. 59 Prozent verwiesen auf finanzielle Gründe, 46 Prozent auf psychische Belastungen. Grundlage des „FIFPRO Global Employment Report 2026: Arbeitsbedingungen im Frauenfußball“ sind eine Umfrage und Interviews mit etwa 800 Spielerinnen weltweit.
Nach Angaben des Berichts hat sich das inflationsbereinigte durchschnittliche Monatsgehalt bei Klubs seit 2017 auf 2.601 US-Dollar beziehungsweise 2.320 Euro verdreifacht. Das mittlere Monatsgehalt liegt demnach jedoch deutlich niedriger und beträgt 1.669 US-Dollar.
Die Entwicklung im Frauenfußball verlaufe laut Bericht „ungleichmäßig und fragmentiert“. Viele Spielerinnen verfügten demnach nicht über ein ausreichendes finanzielles Sicherheitsnetz. Selbst in Regionen wie Westeuropa sowie Asien und Ozeanien liege das Durchschnittsgehalt nicht wesentlich über dem jeweiligen nationalen Mindestlohnniveau.
Für die Bundesliga weist der Deutsche Fußball-Bund für die Saison 2024/25 einen durchschnittlichen Verdienst von rund 4.500 Euro im Monat aus. Die Spitzengehälter sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Nach Recherchen der „Bild“ verdient jedoch keine Spielerin in der Bundesliga mehr als 300.000 Euro im Jahr beziehungsweise 25.000 Euro im Monat.
Fifpro-Direktorin Alex Culvin erklärte, die Professionalisierung schreite in einigen Teilen der Welt voran, die daraus entstehenden Vorteile seien aber nicht gleichmäßig verteilt. Außerhalb der finanziell am besten ausgestatteten Vereine gebe es weiterhin prekäre und unsichere Bedingungen.
Der Verband fordert deshalb nationale Mindeststandards für Vergütung, personelle Ausstattung und Gesundheitsversorgung in Arbeitsverträgen. Von 30 untersuchten nationalen Ligen verfügen laut Studie nur acht über einen Tarifvertrag zur Regelung der Arbeitsbedingungen.
Auch bei der psychologischen Betreuung sieht der Bericht Handlungsbedarf. Insgesamt gaben 57 Prozent der Befragten an, mit psychischen Problemen zu kämpfen. Die Hälfte von ihnen erhielt demnach keine Unterstützung durch ihren Verein.
Eine positive Entwicklung verzeichnet die Studie bei den Bedingungen für Mutterschaft. Seit der Einführung weltweiter Mindeststandards durch die FIFA im Jahr 2021 sank der Anteil der Spielerinnen, die den Fußball wegen eines Kinderwunsches aufgeben wollen, von 47 Prozent im Jahr 2017 auf 19 Prozent.

Schreibe einen Kommentar