Die Bundesregierung hat im ersten Halbjahr 2026 Rüstungsexporte nach Israel im Wert von knapp 800 Millionen Euro genehmigt. Den größten Anteil daran hat ein U-Boot-Geschäft. Die Angaben gehen aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.
Allein im zweiten Quartal wurden Ausfuhren im Wert von 735,8 Millionen Euro bewilligt. Damit liegen die Genehmigungen bereits nach sechs Monaten etwa viermal so hoch wie im gesamten Jahr 2025. Damals hatte die Bundesregierung Rüstungsgüter im Wert von rund 201 Millionen Euro für Israel genehmigt.
Bei den genannten Beträgen handelt es sich um vorläufige Werte. Sie beziehen sich außerdem auf erteilte Exportgenehmigungen und nicht auf bereits tatsächlich ausgeführte Güter.
Rund 67 Prozent des Genehmigungswerts im zweiten Quartal entfielen nach Angaben der Bundesregierung auf ein „Großprojekt im maritimen Rüstungsbereich“. Gemeint ist das U-Boot INS „Drakon“ des deutschen Marineschiffbauers TKMS. Das Schiff ist das dritte und letzte U-Boot der Dolphin-Klasse mit einem außenluftunabhängigen Antrieb. Dieser ermöglicht es nichtnuklearen U-Booten, über längere Zeit unter Wasser zu bleiben. Die INS „Drakon“ verließ ihre Werft in Kiel auf dem Weg nach Israel.
Weitere rund 21 Prozent der Genehmigungen im zweiten Quartal betrafen nach Angaben der Bundesregierung die Kooperation deutscher und israelischer Unternehmen im Interesse der Bundeswehr. Der restliche Anteil entfiel auf sonstige Rüstungsgüter, die nicht als Kriegswaffen eingestuft werden. Aus Sicherheitsgründen veröffentlichte die Bundesregierung keine vollständige Liste der genehmigten Güter. Genannt wurden unter anderem Handfeuerwaffen, Munition, Explosivstoffe, Luftfahrzeuge wie möglicherweise Drohnen sowie Kriegsschiffe.
Die außenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Lea Reisner, kritisierte die Entscheidungen als „grenzenlose Doppelmoral“. Sie forderte einen vollständigen Exportstopp für Waffen und Rüstungsgüter nach Israel sowie die Aussetzung des EU-Israel-Abkommens.
Nach dem Überfall der Hamas im Oktober 2023 und dem anschließenden Gazakrieg hatte es bereits einen Exportstopp gegeben. Im August 2025 erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz, bis auf Weiteres keine Rüstungsgüter mehr zu genehmigen, die im Gazastreifen eingesetzt werden könnten. Lieferungen zur Abwehr äußerer Angriffe auf Israel waren davon ausgenommen. Ende November 2025 wurde die Exportpause wieder aufgehoben. Diese Unterbrechung gilt als ein Grund dafür, dass die Genehmigungswerte im ersten Halbjahr 2026 deutlich über denen des Vorjahres liegen.