Weißenfels: Staatsanwaltschaft ermittelt nach Vorwürfen gegen Bundeswehrsoldaten

Nach Vorwürfen zu Drogen und sexuellen Übergriffen im Sanitätsregiment 1 in Weißenfels hat die Bundeswehr fünf Verdachtsfälle an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Zehn Beschuldigte dürfen die Kaserne nach einem Bericht des MDR nicht mehr betreten und keinen Dienst leisten.

Im Zentrum der Ermittlungen steht eine Ausbildungseinheit. Die Bundeswehr prüft nach eigenen Angaben zudem, ob es ein Führungsversagen gegeben hat. Vorgesetzte sollen ein Umfeld geschaffen haben, in dem Dienstvergehen, Grenzüberschreitungen und sexualisiertes Fehlverhalten begünstigt wurden.

Die Vorwürfe waren bereits Mitte Oktober durch Berichte des RND und des „Spiegel“ bekannt geworden. Demnach soll es in der Kaserne frauenverachtende Praktiken gegeben haben. Unter männlichen Rekruten soll ein Wettbewerb bestanden haben, möglichst mit vielen Rekrutinnen Sex zu haben.

Nach Berichten des RND sollen Beschuldigte Soldatinnen intim berührt und bedrängt haben. Mindestens eine der betroffenen Frauen soll zum Zeitpunkt der Tat minderjährig gewesen sein. Außerdem steht der Vorwurf im Raum, dass ein Vorgesetzter seine Macht ausgenutzt und intime Kontakte zu einer Rekrutin gepflegt habe.

Die Bundeswehr überprüft nun die Auswahl des Führungs- und Ausbildungspersonals. Zusätzlich wurde eine verstärkte Dienstaufsicht angeordnet. Das Verteidigungsministerium betonte, bei Fehlverhalten eine Null-Toleranz-Politik zu verfolgen.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius erklärte, bislang handle es sich um Vorwürfe. Sollten sie sich bestätigen, wäre das „widerwärtig“. Zugleich kündigte er an, die Bundeswehr werde alles tun, um mögliche Täter zur Verantwortung zu ziehen und die Betroffenen besser zu schützen.


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