Kämpfe in Kupjansk: Soldaten robben kilometerweit durch Gasleitungen

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In Kupjansk kämpfen russische und ukrainische Truppen in zwei unterirdischen Gasleitungen um einen Weg hinter die Stellungen des Gegners. Die Röhren verlaufen unter dem Fluss Oskil und sind 16 bis 19 Kilometer lang. Nach Einschätzung von Oberst Markus Reisner ist der Einsatz für die Soldaten extrem belastend und verlustreich.

Die Gasleitungen haben einen Durchmesser von etwa einem beziehungsweise 1,20 Metern. Gerade stehen können die Kämpfer darin nicht. Die ersten rund neun Kilometer legen sie nach Angaben Reisners auf kleinen, flachen Elektrowagen zurück. Die restliche Strecke müssen sie gebückt laufen, kriechen oder robben.

Beide Seiten haben in den Leitungen Barrikaden aus Schutt und Steinen errichtet. Diese sollen den Vormarsch des Gegners stoppen. Um die Sperren zu umgehen, schneiden die Soldaten die etwa zwölf Millimeter dicke Stahlwand der Leitung auf. Anschließend graben sie sich durch das Erdreich in einem Bogen hinter die Barrikade und öffnen die Leitung erneut.

An einigen Stellen treten die Rohre an die Oberfläche. Dort sind sie laut Reisner häufig stark beschädigt. Zudem drohen Angriffe durch Drohnen beider Seiten. Die Soldaten müssen deshalb von einer Öffnung zur nächsten sprinten, bevor sie wieder in den Schutz der Leitung gelangen.

Entlang der Strecke gibt es Nischen mit Munition, Wasser und weiteren Versorgungsgütern. Außerdem wurden Sammelplätze eingerichtet, an denen Verwundete zunächst versorgt werden können und eine kurze Ruhe möglich ist. Auf beiden Seiten sind unterirdisch jeweils mehrere Dutzend Soldaten im Einsatz.

Die Leitungen sind nach den Angaben schon seit längerer Zeit nicht mehr mit Gas gefüllt. Über verschiedene Öffnungen zur Oberfläche gelangt Luft in die Röhren. Dennoch bleibt die Versorgung prekär, weil die Soldaten die Luft im Tunnel schnell verbrauchen. Todesfälle durch Ersticken seien bislang nicht gemeldet worden.

Ein Durchbruch ist bisher keiner Seite gelungen. Ziel wäre es, unter dem Oskil hindurch auf die andere Seite vorzustoßen und die gegnerischen Stellungen von hinten anzugreifen. Beide Armeen versuchen zugleich, die Position des Gegners in den Leitungen zu erkennen und dessen Vormarsch zu verhindern.

Nach Reisners Darstellung gelingt es den Truppen allerdings häufiger, die Leitungen entlang der Strecke nach oben zu öffnen und den Gegner von dort aus anzugreifen. Die Kämpfe in den Röhren blieben insgesamt äußerst schwierig und forderten hohe Verluste.


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