Deutsche Autofahrer fahren trotz der Grenzkontrollen weiterhin zum Tanken nach Polen. Grund sind deutlich niedrigere Kraftstoffpreise. Wer dort 50 Liter Benzin tankt, kann im Vergleich zum deutschen Durchschnitt rund 30 Euro sparen.
Besonders deutlich zeigt sich der Tanktourismus im polnischen Dorf Lubieszyn nahe der Grenze zu Vorpommern. Der Ort hat weniger als hundert Einwohner, verfügt aber über fünf Tankstellen und lebt von Kunden mit deutschen Kennzeichen.
Am 27. Oktober kostete ein Liter Super E10 in Deutschland laut ADAC im Bundesschnitt 2,084 Euro. Diesel lag bei 2,289 Euro. In Polen galt am 29. Oktober ein Höchstpreis von umgerechnet etwa 1,48 Euro für Superbenzin und rund 1,86 Euro für Diesel. Der Preisunterschied betrug damit rund 60 Cent je Liter Benzin und gut 40 Cent je Liter Diesel.
Hinter den niedrigen Preisen stehen staatliche Maßnahmen. Polen senkte im Rahmen des Programms „Ceny Paliwa Niżej“ die Mehrwertsteuer auf Kraftstoff von 23 auf 8 Prozent, reduzierte die Verbrauchsteuer und legte tägliche Höchstpreise für Tankstellen fest. Deutschland senkte die Energiesteuer zum 1. Oktober um gut 14 Cent je Liter. Beide Programme laufen bis zum 31. Dezember.
Die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze halten viele Autofahrer offenbar nicht vom Weg zur Tankstelle ab. Deutschland kontrolliert seit Oktober 2023 und hat die Maßnahmen bis zum 15. März des kommenden Jahres verlängert. Polen führte im Juli 2025 ebenfalls Kontrollen ein, die bis zum 30. März 2027 laufen.
Bei Hohenwutzen werden die Kontrollen laut Almut Undisz, der Leiterin eines Theaters im Oderbruch, von den meisten Autofahrern kaum als Behinderung wahrgenommen. Es werde eher vereinzelt kontrolliert, nachts gar nicht. An großen Übergängen wie der A12 bei Frankfurt (Oder) führen die Maßnahmen dagegen weiterhin zu Staus.
Belastbare Zahlen zu den tatsächlichen Wartezeiten gibt es nicht. Nach Angaben der Bundespolizeidirektion Berlin werden die Wartezeiten nicht systematisch erfasst. Auch der polnische Grenzschutz führt dazu keine entsprechende Statistik.
Der Kraftstoff darf im Fahrzeugtank und zusätzlich in einem Reservekanister mit bis zu 20 Litern steuerfrei nach Deutschland gebracht werden. Der Zoll kontrolliert dies stichprobenartig. Wie viele Deutsche tatsächlich zum Tanken nach Polen fahren, ist ebenfalls nicht bekannt.
Die Kontrollen haben zudem Folgen für den Waren- und Personenverkehr. Über die A12 bei Frankfurt (Oder) fahren jährlich rund vier Millionen Lastwagen. Nach Angaben der IHK Ostbrandenburg pendeln außerdem rund 14.000 Menschen täglich aus Polen zur Arbeit nach Brandenburg.
Für die deutschen Landgrenzen insgesamt veranschlagt die Bundesregierung die Mehrkosten der Kontrollen von September 2024 bis Juni 2026 auf rund 195 Millionen Euro. Ein Ende der Maßnahmen ist bislang nicht absehbar. Gleichzeitig subventioniert Polen die niedrigen Kraftstoffpreise und damit auch das Tanken deutscher Autofahrer.

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