Museumsexemplar enthüllt neue Dinosaurier-Gattung aus Südengland

Ein Fossil aus Südengland hat zur Identifizierung einer bislang unbekannten Dinosaurier-Gattung geführt. Das Skelett lag jahrzehntelang im Natural History Museum in London, bevor ein Forschungsteam die Überreste detailliert untersuchte.

Die Paläontologen ordnen das Tier der Gruppe der Iguanodontia zu. Der Pflanzenfresser lebte vor rund 125 Millionen Jahren während der frühen Kreidezeit in einer sumpfigen Umgebung. Nach den Schätzungen war er etwa fünf Meter lang und wog rund anderthalb bis zwei Tonnen.

Bei dem untersuchten Tier handelte es sich wahrscheinlich um ein Jungtier. Als ausgewachsenes Tier hätte es möglicherweise die doppelte Größe erreicht. Der Dinosaurier konnte sich nach Einschätzung der Forschenden auf zwei Beinen fortbewegen. Gelegentlich richtete er sich offenbar auf und stand dabei auf seinen Hinterbeinen.

Typisch für die Iguanodontia war ein markanter Dorn am Ende des ersten Fingers. Dieser Daumendorn besaß einen knöchernen Kern und war zu Lebzeiten von einer scharfen Hornscheide aus Keratin bedeckt. Nach Ansicht der Dinoforscher konnte das Tier die Struktur zur Verteidigung gegen fleischfressende Dinosaurier einsetzen oder damit Zweige herunterziehen, um Blätter zu erreichen.

Entdeckt wurde das Fossil im Jahr 2001 während einer Exkursion einer Geologenvereinigung in der südenglischen Tongrube Smokejacks Pit. Geoff Toye fand die Überreste und schenkte sie später dem Natural History Museum. Lange Zeit wurden die in Südengland entdeckten Iguanodontia im Wesentlichen nur zwei Arten zugeordnet. Eine genauere Untersuchung führte in den vergangenen Jahren jedoch zur Benennung weiterer Dinosaurier.

Das Team um die Hauptautorin Susannah Maidment stellte mithilfe von Computertomografien fest, dass sich das Skelett durch mehrere Zahn- und Knochenmerkmale von allen anderen bekannten Iguanodontia unterscheidet. Die Forschenden beschreiben deshalb nicht nur eine neue Art, sondern auch eine neue Gattung.

Der Dinosaurier erhielt den Namen Paludohadros proudlovii. Der Gattungsname nimmt mit dem lateinischen Wort „palus“ Bezug auf die sumpfige Umwelt am Fundort. Der Artname erinnert an William Proudlove, der als Betriebsleiter der Tongrube arbeitete und im Jahr 2000 im Alter von 35 Jahren starb.

Warum das Jungtier verendete, ist nicht bekannt. Es lebte jedoch in derselben Zeit und am selben Ort wie der zweibeinige Fleischfresser Baryonyx walkeri. Dessen Fossilien wurden ebenfalls im Natural History Museum aufbewahrt. Das neue Fossil wurde nur rund 100 Meter von einem Fund dieses Dinosauriers entfernt entdeckt. Aus der Nähe der beiden Funde lasse sich jedoch keine Todesursache ableiten, betonte der Erstautor Ricardo Sacamoto. Am Skelett fehlten mehrere Teile; erkennbare Spuren von Fraßschäden oder Krankheiten fanden die Forschenden nicht.


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