Amazon steigert KI-Ausgaben – Barmittelabfluss erreicht 42,4 Milliarden Dollar

Hohe Investitionen in neue Rechenzentren für künstliche Intelligenz setzen Amazon finanziell unter Druck. Der Barmittelabfluss des Onlinehändlers stieg in den vergangenen drei Monaten auf 42,4 Milliarden Dollar. Damit hat er sich nahezu versechsfacht.

Nach der Veröffentlichung der Zahlen fiel die Amazon-Aktie im nachbörslichen Handel an der Wall Street um rund acht Prozent. Portfoliomanager Dave Wagner vom Vermögensverwalter Aptus bezeichnete die Entwicklung als besorgniserregend. Das operative Geschäft erwirtschafte zwar viel Geld, die Investitionen würden dieses jedoch vollständig aufzehren.

Amazon steht damit vor einer ähnlichen Herausforderung wie die Google-Mutter Alphabet und der Facebook-Betreiber Meta. Beide Unternehmen verzeichneten im dritten Quartal einen negativen freien Cashflow. Bei Alphabet belief er sich auf knapp zehn Milliarden Dollar, bei Meta auf 2,1 Milliarden Dollar. Unter den großen US-Technologiekonzernen meldete lediglich Microsoft einen Barmittelzufluss. Dieser lag bei 18,6 Milliarden Dollar.

Für das laufende Jahr plant Amazon Investitionen von 220 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur. Google will bis zu 205 Milliarden Dollar ausgeben, Meta plant 135 bis 145 Milliarden Dollar. Microsoft senkte seine Investitionsprognose am Mittwoch von 175 auf 170 Milliarden Dollar.

Amazon-Chef Andy Jassy kündigte unterdessen an, dass die Investitionen im kommenden Jahr noch einmal deutlich steigen sollen. Konkrete Zahlen nannte er nicht. Zugleich zeigte sich Jassy mit Blick auf die mittelfristigen Wachstumsperspektiven zuversichtlich.

Besonders stark entwickelte sich zuletzt die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS). Ihr Umsatz legte in den vergangenen drei Monaten um rund 39 Prozent auf 46 Milliarden Dollar zu. Nach Einschätzung von Jassy könnte AWS bereits im Jahr 2031 einen Jahresumsatz von mehr als einer Billion Dollar erreichen.

In anderen Bereichen verlor Amazon an Dynamik. Das Wachstum der Werbeeinnahmen verlangsamte sich überraschend deutlich auf zwölf Prozent. Die Konzernerlöse erreichten 201,9 Milliarden Dollar und lagen damit leicht unter den Erwartungen des Marktes.

Für das laufende Quartal stellte Amazon einen Umsatz zwischen 240 und 247 Milliarden Dollar in Aussicht. Der Mittelwert dieser Spanne liegt unter der bisherigen Analystenprognose von 244,5 Milliarden Dollar. Das nährte die Sorge, dass Verbraucher wegen der steigenden Inflation im wichtigen Weihnachtsgeschäft weniger ausgeben könnten.

Technologie-Experte Marcel Tietjen von der Beratungsfirma Bearingpoint sieht im KI-Zeitalter neue Maßstäbe für den Wettbewerb. Entscheidend sei zunehmend, welches Unternehmen pro investierter Milliarde den größten Umsatz und Gewinn erwirtschafte.


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