In der von russischen Truppen besetzten ukrainischen Frontstadt Oleschky gilt nach Angaben aus Kiew eine lokale Waffenruhe. Sie soll die Evakuierung von Zivilisten ermöglichen, die weiterhin in der Kriegszone ausharren.
Bis zu 2000 Menschen befinden sich dem Bericht zufolge noch in Oleschky in der Region Cherson. Wer die Stadt verlassen möchte, soll noch in dieser Woche evakuiert werden. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez erklärte, dass sich beide Seiten bislang an die Vereinbarungen hielten.
Lubinez steht demnach auch mit der russischen Vertreterin Jana Lantratowa in Kontakt. Er dankte erneut Melania Trump für ihre Rolle bei den Verhandlungen über die Feuerpause. Die Ehefrau des US-Präsidenten Donald Trump war zuvor bereits an der Rückführung von 34 ukrainischen Kindern beteiligt, die von russischen Besatzern verschleppt worden waren.
Unklar ist allerdings, wie belastbar die Vereinbarung über Oleschky ist und welche Bedeutung sie für den weiteren Kriegsverlauf hat. Der Osteuropa-Historiker Jan C. Behrends sieht in der Waffenruhe noch kein Zeichen für eine allgemeine Entspannung. Er vermutet darin unter anderem den Versuch des Kremls, ein Mindestmaß an Verhandlungsbereitschaft zu zeigen und den Zugang über Melania Trump zum US-Präsidenten zu nutzen.
Auch der Sicherheitsexperte Nico Lange warnt davor, aus der Feuerpause weitreichende Schlüsse zu ziehen. Oleschky sei derzeit offenbar ein isolierter humanitärer Sonderfall. Auswirkungen auf den Krieg insgesamt habe die lokale Waffenruhe nicht.
Der frühere Sicherheitsberater von Donald Trump, John Bolton, mahnte ebenfalls zur Vorsicht. Er lobte Melania Trumps Engagement, warnte aber davor, die Feuerpause vorschnell als diplomatischen Erfolg zu bewerten. Es sei unklar, welchen Nutzen Russland aus der Vereinbarung ziehen könne.
Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bleibt dem Bericht zufolge skeptisch. Nach Angaben des US-Fernsehsenders Fox sieht die Vereinbarung vor, dass Zivilisten, die in ukrainisch kontrolliertes Gebiet gelangen wollen, zunächst nach Anapa in Russland gebracht werden. Von dort sollen sie mit einem Militärflugzeug nach Gomel in Belarus und anschließend in die freie Ukraine gebracht werden.
Sollte die Feuerpause weiter eingehalten werden und die Evakuierung gelingen, wäre dies zumindest ein Hinweis darauf, dass begrenzte Absprachen zwischen den Kriegsparteien möglich sind. Eine umfassendere Entspannung lässt sich daraus nach Einschätzung der genannten Experten jedoch nicht ableiten.

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