Julia Ruhs kritisiert politische Trägheit zulasten der jungen Generation

In einem Kommentar für BILD kritisiert Julia Ruhs, dass Deutschland zunehmend von einer älteren Gesellschaft geprägt werde und die Interessen junger Menschen dabei zu kurz kämen. Politische Entscheidungen seien häufig auf die Bewahrung bestehender Besitzstände ausgerichtet, während notwendige Reformen ausblieben.

Ausgangspunkt ihrer Überlegungen sind gewaltsame Unruhen in Frankreich. Ruhs betont, dass sie Verständnis für friedliche Proteste junger Menschen habe, distanziert sich jedoch von Randale, Plünderungen und Brandstiftungen. Auch in Deutschland habe die junge Generation ihrer Ansicht nach Gründe, über den Zustand des Staates verärgert zu sein.

Zur Einordnung verweist Ruhs auf eine frühere Aussage des ehemaligen Innenministers Otto Schily. Er habe vor mehr als 20 Jahren vor einer zu nachsichtigen und naiven Haltung des Westens gewarnt. Diese Gedanken überträgt Ruhs in ihrem Kommentar auch auf den Umgang mit illegaler Migration, Islamismus und der extremen Linken.

Darüber hinaus beschreibt sie Deutschland als Gesellschaft, der es zunehmend an politischer Anspannung und Veränderungswillen fehle. Die größte Gruppe der Wahlberechtigten bestehe bereits aus Menschen ab 70 Jahren. Bei der vergangenen Bundestagswahl hätten die über 50-Jährigen knapp 60 Prozent der Wahlberechtigten ausgemacht, während die bis 34-Jährigen zahlenmäßig nicht einmal 20 Prozent erreicht hätten.

Ruhs sieht darin einen Grund, warum die Politik stärker auf die Interessen älterer Menschen ausgerichtet sei. Nötige Reformen würden seit Jahren aufgeschoben. Als Beispiele nennt sie die Aufnahme neuer Schulden sowie den Umgang mit Verteidigung und Infrastruktur. Ökonomen warnten dem Kommentar zufolge, dass im Haushalt künftig nur noch wenig Spielraum für Zukunftsinvestitionen bleiben könnte.

Auch die Bildungspolitik führt Ruhs als Beleg für ihre Kritik an. Die Anfang September veröffentlichten PISA-Ergebnisse seien für Deutschland so schlecht gewesen wie seit Beginn der Erhebung nicht. Jeder dritte Jugendliche habe demnach Probleme beim Rechnen und Lesen.

Zum Schluss bezeichnet Ruhs die Mobilität junger Menschen als deren wichtigste Möglichkeit, auf die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen zu reagieren. Wer mit der Entwicklung in Deutschland unzufrieden sei, könne das Land verlassen und sich anderswo bessere Perspektiven suchen.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert