„Gen Z regelt“: Unterstützer distanzieren sich kurz vor bundesweiten Protesten

Wenige Tage vor den für Samstag angekündigten Protesten der Organisation „Gen Z regelt“ in Deutschland ziehen sich mehrere Unterstützer zurück. Sie kritisieren fehlende Klarheit bei Organisation, Verantwortlichkeiten und der Ausrichtung der Demonstrationen.

Nach Angaben des „Tagesspiegels“ ist in Berlin bislang neben der Anmeldung bei der Versammlungsbehörde wenig vorbereitet. Dem Bericht zufolge fehlen unter anderem eine Bühne, Ordner und eine mögliche Liste von Rednern. Für die Hauptstadt zählt die Organisation nach eigenen Angaben mehr als 8000 Zusagen.

Bundesweit soll es in 28 Städten Proteste geben. Insgesamt liegen laut den Angaben rund 145.000 Zusagen vor. Die mangelnde Vorbereitung sorgt dem Bericht zufolge dafür, dass sich immer mehr Aktivisten von „Gen Z regelt“ distanzieren.

Der Content Creator Gianni Matheja, der in sozialen Netzwerken unter dem Namen „giannistudiert“ bekannt ist, erklärte, er habe sich aus der Organisation zurückgezogen und seine Funktion als Sprecher niedergelegt. Unter dem Namen „Gen Z regelt“ kämen inzwischen unterschiedliche Gruppen zusammen, deren Vorstellungen über Ziele und Formen des Protests auseinanderliefen. Einen gemeinsamen friedlichen Rahmen sehe er deshalb nicht ausreichend abgesichert.

Matheja rief stattdessen zu einem Protest am 20. November in Berlin auf, der von der Bundesschülerkonferenz und Fridays for Future gemeinsam organisiert wird. Für diesen Tag ist auch ein europaweiter Schulstreik geplant.

Auch die Aktivisten Battal Yali und Max Schneller erklärten, sie würden die Organisation nicht weiter begleiten. Ihre Vorstellungen von Organisation, Verantwortlichkeiten und Transparenz passten nicht überall zusammen, schrieben sie in einem gemeinsamen Beitrag auf Instagram. Die Entscheidung treffe nicht aus Ärger oder Misstrauen gegenüber einzelnen Personen, sondern wegen der Verantwortung unter den aktuellen Bedingungen.

Dem „Tagesspiegel“ zufolge handelt es sich bei den Rückzügen nicht um Einzelfälle. Demnach seien inzwischen alle Aktivisten, die sich bei der Initiative engagiert hätten, ausgetreten. Zudem gebe es Warnungen vor suspekten Strukturen hinter der Initiative. Unklar sei auch, was mit bereits eingesammelten Spendengeldern geschehen ist.

Skeptisch äußert sich außerdem die Bundesschülerkonferenz. Sie befürchtet, dass der offenbar unzureichend organisierte Protest von radikalen Akteuren instrumentalisiert werden könnte. BSK-Vizegeneralsekretärin Lilli Berthold sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, es gehe nicht um Gewalt durch die Organisatoren. Vielmehr könnten andere Akteure die Demonstrationen für eigene Zwecke nutzen.

Die Bundesschülerkonferenz ruft nicht ausdrücklich zur Teilnahme am Protest am Samstag auf. Als Grund nannte Berthold die Vielzahl der Themen, darunter Rente, Wehrdienst und der Nahost-Konflikt. Der politische Auftrag der BSK liege beim Thema Bildung.

Auch der Verfassungsschutz beobachtet die Entwicklung. Die Behörde erklärte auf Anfrage des „Handelsblatts“, neben überwiegend nicht-extremistischen Akteuren griffen auch Teile der linksextremistischen Szene die Aufrufe zu bundesweiten Schülerprotesten auf. Vereinzelt beteiligten sich demnach außerdem Gruppierungen aus dem auslandsbezogenen Extremismus an der Mobilisierung.

Die Initiative fordert unter anderem mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit sowie ein bezahlbares Leben. Zudem richtet sich der Protest gegen eine mögliche Wehrpflicht.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert