Nach Wahlniederlage: Flávio Bolsonaro darf Brasilien nicht verlassen

—

von

in

Flávio Bolsonaro darf Brasilien nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl vorerst nicht verlassen. Der Richter Alexandre de Moraes vom Obersten Gerichtshof ließ sämtliche brasilianischen Pässe des Senators annullieren. Dazu zählt auch sein Diplomatenpass.

Besitzt Bolsonaro Pässe anderer Staaten, muss er diese innerhalb von 24 Stunden abgeben. Die Entscheidung wurde bereits am Sonntagabend kurz nach der Wahl getroffen. Am Montag informierte die Bundespolizei den Senator über die Anordnung.

Gegen Flávio Bolsonaro wird wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. Ebenfalls untersucht wird der mit ihm befreundete Anwalt Willer Tomaz. Beide dürfen nach der Entscheidung von Moraes keinen Kontakt mehr miteinander haben. Bolsonaro und Tomaz weisen zurück, Geschäftspartner zu sein.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen Unternehmen des Anwalts sowie Geschäfte mit Online-Sportwetten. Bei der Auswertung von Daten aus Tomaz’ Umfeld stieß die brasilianische Bundespolizei auf E-Mails. Daraus soll hervorgehen, dass Bolsonaro als sogenannter „Master-User“ eines Bankkontos der Firma Alcazar Holdings eingetragen war.

Das Unternehmen gehört Tomaz. Nach Angaben der Ermittler hätte Bolsonaro dadurch weitreichenden Zugriff auf das Konto gehabt. Im Mai 2025 soll Tomaz per E-Mail die Löschung dieses Zugangs veranlasst haben. Die Eintragung allein gilt jedoch nicht als Beweis für Geldwäsche. Die Ermittler prüfen weiterhin, welche Rolle Bolsonaro tatsächlich spielte.

Der Senator bezeichnet die Ausreisesperre als Einschüchterungsversuch. In einem veröffentlichten Video erklärte er: „Ich habe nie daran gedacht, das Land zu verlassen.“ Die zeitliche Nähe zur Wahl wertet Bolsonaro als politisch motiviert.

Bei der Stichwahl am Sonntag war Bolsonaro dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva unterlegen. Unabhängig von den Ermittlungen im Fall Tomaz untersucht die Bundespolizei außerdem mögliche Straftaten im Zusammenhang mit der Finanzierung des Films „Dark Horse“ über Bolsonaros Vater Jair Bolsonaro. Auch diese Vorwürfe weist Flávio Bolsonaro zurück.


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert