In Deutschland nimmt sich laut einer aktuellen Studie aus Bayern jede Woche ein Mensch aus einem landwirtschaftsnahen Beruf das Leben. Die Untersuchung wurde im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht. Demnach liegt die Suizidrate bei Landwirten mehr als dreimal so hoch wie in anderen Berufsgruppen.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer bezeichnete die Lage als Krise von nationaler Tragweite. Als Belastungen für die Landwirtschaft werden unter anderem sinkende Erzeugerpreise, gestiegene Energiekosten, Schulden und die ungeklärte Hofnachfolge genannt.
Auch die Ernten stehen unter Druck. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 24 Prozent weniger Kartoffeln und sieben Prozent weniger Getreide genannt. Trockenheit und Hitze hätten die Bilanz belastet. Zugleich sorgen stark schwankende Wetterlagen seit dem Dürresommer 2018 für zusätzliche Unsicherheit.
Viele Betriebe kämpfen zudem mit wirtschaftlichen Problemen. Bei Ackerbauern gingen die Gewinne zuletzt um 28 Prozent zurück, bei großen Getreideproduzenten in Ostdeutschland sogar um 45,5 Prozent. Der Deutsche Bauernverband warnt vor einer anhaltend schwierigen Preislage an den Getreidemärkten.
Nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft gibt es in Deutschland noch 255.000 landwirtschaftliche Betriebe. Das sind halb so viele wie 1995. Jährlich geben dem Bericht zufolge 2.600 Betriebe auf. Seit 2020 gingen außerdem 62.000 Arbeitsplätze verloren. Wegen fehlender Nachfolger stehen laut der Behörde weitere 69.000 Höfe vor dem Aus.
Auch die Verschuldung belastet viele Landwirte. Nach Angaben des Landwirtschaftsministers hat jeder dritte Betrieb Liquiditätsprobleme. Die durchschnittlichen Verbindlichkeiten pro Hof liegen demnach bei 253.836 Euro. Steigende Zinsen verschärfen die finanzielle Belastung zusätzlich.
Die wirtschaftliche Situation zeigt sich in unterschiedlichen Bereichen. Eine Milchviehhalterin aus Hessen berichtet, dass sie für einen Liter Milch derzeit rund 40 Cent erhält, die Produktion aber mindestens 45 Cent erfordern würde. Als Gründe für die Belastung werden unter anderem höhere Diesel- und Düngerpreise genannt.
Auch Obstbauern stehen unter Druck. Nach Angaben aus dem Bericht kommt inzwischen jeder zweite Apfel aus dem Ausland. Die Erzeugerpreise für deutsche Tafeläpfel lagen im August 2026 demnach 32,9 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Psychotherapeutische Unterstützung gibt es unter anderem an einer Fachklinik in Simbach am Inn. Dort wurde eine Gesprächsgruppe für Landwirte gegründet. Die Psychiaterin Karen Hendrix berichtet, dass viele Landwirte Suizide in ihrem beruflichen Umfeld erlebt hätten.
Neben den finanziellen Sorgen wird die zunehmende Bürokratie als Belastung beschrieben. Ein Landwirt aus Thüringen berichtet, dass ein großer Teil seiner Arbeitszeit inzwischen auf Schreibtischarbeit entfällt. Neue Vorschriften und Dokumentationspflichten seien für viele Betriebe kompliziert.

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