Brasilien vor enger Stichwahl: Lula und Flávio Bolsonaro mobilisieren ihre Lager

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Vor der Stichwahl um die Präsidentschaft in Brasilien liegen Amtsinhaber Lula da Silva und sein Herausforderer Flávio Bolsonaro laut jüngsten Umfragen gleichauf. Das Land ist tief polarisiert. Unentschlossene und bisherige Nichtwähler könnten den Ausgang bestimmen.

Flávio Bolsonaro zog nach der ersten Wahlrunde mit einem Vorsprung von zwei Prozentpunkten in die Stichwahl ein. Sein politisch größtes Kapital ist der Name seiner Familie. Zugleich wird ihm vorgeworfen, politisch vor allem vom Einfluss seines Vaters Jair Bolsonaro zu profitieren. Flávio will seinen Vater nach einem Wahlsieg begnadigen.

Auf den letzten Metern des Wahlkampfs überziehen sich beide Kandidaten mit Vorwürfen. In den Fernsehdebatten standen persönliche Angriffe stärker im Mittelpunkt als politische Inhalte. Der Politikwissenschaftler Jairo Nicolau von der Getulio-Vargas-Stiftung beschreibt den Wahlkampf als Auseinandersetzung, in der viele Wähler eher gegen einen Kandidaten als für den anderen stimmen.

Lula steht für Sozialprogramme, den Schutz des Regenwaldes und eine multilaterale Außenpolitik. Flávio Bolsonaro verspricht weniger Staat und niedrigere Steuern. Außerdem kündigt er ein härteres Vorgehen gegen Drogenbanden an und sucht die Nähe zu US-Präsident Donald Trump.

Der fast 81 Jahre alte Lula verliert nach Einschätzung des Berichts Zustimmung unter Teilen der Arbeiterschaft. Kritiker werfen seiner Arbeiterpartei Korruption, lange Wartezeiten in Schulen und im Gesundheitssystem sowie einen zu starken Fokus auf Sozialleistungen vor. Anhänger verweisen dagegen auf die soziale Bilanz seiner Regierung und Verbesserungen für die Bevölkerung.

Rund 40 Millionen der 158 Millionen Wahlberechtigten gaben in der ersten Runde keine oder eine ungültige Stimme ab. Viele von ihnen sind nach Angaben des Berichts von der politischen Polarisierung enttäuscht. Auch Falschmeldungen in sozialen Medien verstärken das Misstrauen.

Beide Lager versuchen deshalb, die Unentschlossenen auf den letzten Metern zu erreichen. Lulas Team hat eine umfangreiche digitale Mobilisierung gestartet. Unterstützt wird der Präsident unter anderem von Studenten, Arbeitern, Künstlern und LGBTQ-Bewegungen. Flávios Lager setzt verstärkt auf Kundgebungen auf der Straße.

Für Aufmerksamkeit sorgte zudem die frühere Abgeordnete und Journalistin Joice Hasselmann, die einst Bolsonaro unterstützte und nun für Lula stimmen will. Sie begründete ihre Entscheidung mit der Bedeutung demokratischer Regeln.

Vor Gericht häufen sich Beschwerden über gezielt verbreitete Falschmeldungen. Lulas Lager warf dem US-Techkonzern Meta eine Benachteiligung vor. Beide Kandidaten beantragten zudem den Ausschluss des jeweils anderen.

Die Stimmung bleibt angespannt. Viele Beobachter rechnen mit einem äußerst knappen Ergebnis. In Brasília erinnern sich Menschen zudem an den 8. Januar 2023, als rund 4.000 Bolsonaro-Anhänger das Regierungsviertel stürmten. Eine Wiederholung dieser Ereignisse wollen viele vermeiden.


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