Deutschland sind einer Studie zufolge zwischen 2016 und 2023 mehr als 23 Milliarden Euro an Steuereinnahmen entgangen. Damit war das Land innerhalb der Europäischen Union am stärksten von den Auswirkungen der US-Steuerpolitik betroffen.
Die Untersuchung stammt vom Tax Justice Network und wurde im Auftrag des EU-Linksfraktionschefs Martin Schirdewan erstellt. Sie liegt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor.
Den größten Anteil der ausgebliebenen Einnahmen verzeichneten demnach die Kommunen. Ihnen entgingen 9,8 Milliarden Euro. Auf den Bund entfielen 6,9 Milliarden Euro, auf die Länder 6,7 Milliarden Euro.
Hintergrund sind nach Darstellung der Studie niedrigere Unternehmenssteuern in den USA und Anreize für US-Konzerne, Gewinne im eigenen Land statt in Europa auszuweisen. Zwischen 2016 und 2023 hätten US-Unternehmen dadurch Gewinne von insgesamt 327 Milliarden Euro aus den EU-Staaten verlagert, in denen sie erwirtschaftet worden waren.
Den öffentlichen Haushalten in Europa seien dadurch mindestens 86,4 Milliarden Euro an Einnahmen entgangen. Zugleich seien die Steuereinnahmen in den USA trotz der zusätzlichen Gewinnverlagerungen nicht gestiegen. US-Konzerne hätten dort 2024 zwar doppelt so viel Gewinn ausgewiesen wie 2016, insgesamt aber weniger Steuern gezahlt als im Jahr 2016.
Schirdewan kritisierte, US-Konzerne könnten ihre Gewinne zu niedrigen Steuersätzen in die USA verlagern, während europäische öffentliche Haushalte und Kommunen leer ausgingen. Er fordert, Unternehmen sollten dort besteuert werden, wo ihre Gewinne erwirtschaftet werden.
Der EU-Linksfraktionschef wirft Europa außerdem vor, amerikanischen Großkonzernen bei der globalen Mindeststeuer eine Sonderbehandlung zu gewähren. Gemeint ist das sogenannte Side-by-Side-Abkommen vom Januar 2026. Danach könnten US-Unternehmen Steuern in Höhe der globalen Mindeststeuer von 15 Prozent auch in den USA zahlen.
Der Studie zufolge liegt der Steuersatz von fast jedem dritten US-Unternehmen allerdings unterhalb dieser Marke.

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