In Istanbul und Ankara haben jeweils mindestens 3000 Menschen gegen den wachsenden Druck der Behörden auf Journalisten und Medien demonstriert. Anlass waren unter anderem die Festnahme von Medienschaffenden und die Schließung von Sendern.
In Istanbul riefen die Demonstrierenden „Genug!“ und „Wir können nicht mehr atmen.“ Viele hielten Fotos von inhaftierten Journalisten hoch. Zudem erklärten sie: „Wir werden uns dem Druck nicht beugen.“
Nach Angaben der Polizei nahmen in Istanbul mindestens 3000 Menschen an der Kundgebung teil. Unter ihnen waren vor allem Journalisten, Menschenrechtsaktivisten und Vertreter der Opposition. Auch in der Hauptstadt Ankara gingen demnach mindestens 3000 Menschen auf die Straße.
Menschenrechtsaktivisten zufolge hat der Druck auf Medienschaffende in der Türkei in den vergangenen Wochen weiter zugenommen. Die türkische Journalistengewerkschaft teilte mit, dass in den vergangenen zwei Monaten elf Journalisten festgenommen worden seien. Zudem seien mehrere Medien geschlossen worden.
Mitte Oktober hatte die Polizei den reichweitenstärksten Nachrichtensender der Türkei, Halk TV, gestürmt und den Sendebetrieb unterbrochen. Die Regierung stellte den Sender anschließend unter Zwangsverwaltung.
Nach der Kundgebung in Istanbul sagte der türkische Journalist Zafer Arapkirli, das Regime wolle die Gesellschaft einschüchtern, zum Schweigen bringen und ihr Angst machen. Arapkirli wird selbst juristisch verfolgt. „Wir müssen zeigen, dass wir das nicht zulassen werden“, erklärte er.
Bei der Demonstration in Ankara wurde außerdem ein Brief des inhaftierten Journalisten Ismail Ari verlesen. Darin erklärte er, er werde ausschließlich deshalb im Gefängnis festgehalten, weil er seinen Beruf als Journalist ausübe. „Man stiehlt mir Tage meines Lebens“, hieß es in dem Schreiben. Ari kündigte an, den freien Journalismus „bis zum bitteren Ende verteidigen“ zu wollen.
Unter dem langjährigen Staatschef Recep Tayyip Erdogan ist die Pressefreiheit in der Türkei nach Angaben aus dem Bericht bereits seit dem fehlgeschlagenen Putschversuch im Jahr 2016 zunehmend eingeschränkt worden. Genannt werden Strafverfahren gegen Medienschaffende, Internetzensur und Vorwürfe wegen angeblicher Falschmeldungen gegen Journalisten.

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