Nordkorea will im Oktober entlang der Grenze zu Südkorea erneut Lautsprecheranlagen für Propaganda in Betrieb nehmen. Zugleich wurden nach Schätzungen des südkoreanischen Militärs in den vergangenen zwei Jahren rund 960.000 Landminen verlegt.
Die Ankündigung machte Kim Yo-jong, die Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un. Sie besuchte die nordkoreanische Seite der Demilitarisierten Zone (DMZ) und bezeichnete die geplante Beschallung als Reaktion auf angebliche Provokationen des südkoreanischen Militärs.
Nach nordkoreanischer Darstellung gaben südkoreanische Soldaten zuletzt an mindestens zwei Stellen Warnschüsse ab. Kim Yo-jong beschimpfte Südkorea zudem als den „abscheulichsten und widerwärtigsten Feind der Welt“.
Propagandalautsprecher sind an der innerkoreanischen Grenze nicht neu. Nord- und Südkorea nutzten solche Anlagen bereits in der Vergangenheit, um politische Botschaften auf die jeweils andere Seite zu übertragen. Nordkorea setzte sie teilweise auch ein, um die Bevölkerung im Grenzgebiet mit starkem Lärm zu belasten.
Die geschätzte Zahl der neu verlegten Minen gab die südkoreanische Nachrichtenagentur unter Berufung auf das Militär des Landes bekannt. Seit dem Frühjahr 2024 verändert Nordkorea den Grenzbereich demnach umfassend. Historische Straßen- und Zugverbindungen wurden gesprengt. Außerdem entstanden weitere Barrieren und Stacheldrahtzäune.
Die Spannungen werden durch wiederholte nordkoreanische Raketentests verschärft. Am 21. September wurden bei einer Minenexplosion drei südkoreanische Soldaten teilweise schwer verletzt. Südkorea machte nordkoreanische Minen dafür verantwortlich, die südlich der Grenzlinie platziert worden seien. Pjöngjang wies die Vorwürfe zurück.
Nach Angaben Südkoreas überschritten nordkoreanische Soldaten in diesem Jahr bei Befestigungsarbeiten 50-mal die Grenzlinie. Das südkoreanische Militär reagierte mit Warnschüssen und Lautsprecherdurchsagen.
Nord- und Südkorea befinden sich offiziell weiterhin im Kriegszustand. Der Koreakrieg von 1950 bis 1953 endete mit einer Waffenruhe, ein Friedensvertrag wurde bislang nicht unterzeichnet.
Während sich die Lage an der Grenze zuspitzte, reiste Kim Jong-un nach China. Er überquerte eine wenige Wochen zuvor eröffnete Brücke über den Yalu-Fluss und besuchte die Grenzstadt Dandong. Gemeinsam mit einem ranghohen chinesischen Parteikader legte er einen Blumenkranz an einem Denkmal für chinesische Volksfreiwillige nieder, die im Koreakrieg an der Seite Nordkoreas gekämpft hatten.

Schreibe einen Kommentar